Als sich die angewachsene Reisegruppe nun auf den Weg machen wollte, vertrat der Brückenvogt dem Edlen vorsichtig aber bestimmt den Weg.
„Euer Wohlgeboren?“ sprach Ugo dann Marudas von Grenfell an.
„Was ist denn noch? Wir sind schon spät dran.“
„Nichts läge mir ferner als euch aufzuhalten, euer Wohlgeboren, aber da wäre noch die Sache mit der Gebühr.“
„Welche Gebühr?“
„Der Zoll für die Brücke.“
„Wollt ihr mich auf den Arm nehmen? Ich bin Edler zu Wulfenhain. Ich zahle keine Gebühr."
„Natürlich nicht, euer Wohlgeboren. Aber was ist mit … dem Magister und … eurer Bedeckung?“ In dem Moment, als das Gespräch auf ihn kam lenkte Marudas Vater sein Pferd nach vorne und mischte sich in den Disput ein. „Lass mal mein Junge. Ich regle das schon selber.“
Gönnerhaft beugte sich Magister Bagoas von Grenfell nach vorne wandte sich an Ugo.
„Es ist natürlich ganz klar, dass die Tatsache, dass ich ein Magister der Akademie Schwert und Stab bin und nebenbei ein profunder Kenner der Belagerungsmagie (hüstel) übrigens ein von mir neu entwickelter Zweig der arkanen Künste, wobei ich genau genommen nicht alles neu mache, sondern auf bestehenden Forschungen … ähm … wo war ich?... Ach ja, also Magier bin, nicht von der Last, äh, Pflicht befreit die Gebühr für die Benutzung dieser außergewöhnlich gut gepflegten Brücke zu entrichten … Heda, Sprößling, Blut von meinem Blute, verdrehst du gerade die Augen ...?“
Ugo schaute den Magister gespannt an, wie er sich zu seinem Sohn umwandte und ihn anbellte. Er wusste schon, was kommen würde. Der Baron von Blauenburg, zusammen mit dem Burgvogt, hatte ihn gut vorbereitet. Sehr gut sogar. Ah, jetzt drehte sich der gelehrte Herr wieder zu ihm um. „…Wie auch immer, mein braver Mann, ich bin nicht nur ein Magister, sondern auch der Vater des Edlen von Grenfell.“ Mit diesen Worten schaute er Ugo lächelnd an … Schweigen.
…
„Versteht ihr nicht. Ich bin sein Vater.“
„Aber das weiß ich doch, Magister. Der Baron sagte, dass ihr das sagen würdet.“
Die Gesichtszüge des Magisters veränderten sich etwas von jovial und verständnisvoll zu vorsichtig und wachsam. „Ist euch klar, dass ich es als Kenner der arkanen Kräfte nicht nötig habe diese Brücke zu benutzen? Für mich gäbe es auch andere Wege, die du niemals beschreiten wirst.“
„Der Baron sagte auch, dass ihr das sagen würdet.“
„Ich habe dem Baron eine beträchtliche Summe für den Ausbau der Blauenburg zukommen lassen!“
„Er sagte, das würdet ihr auf jeden Fall sagen.“
ETWAS SPÄTER KURZ VOR DER BLAUENBURG
Die jetzt zwölfköpfige Reitergruppe ritt die letzten hundert Meter zur Blauenburg. „108 HELLER. KREUZSCHOCKDONNERSCHLAGNOCHEINS. Über einen Dukaten. Nur dafür eine Brücke überqueren zu dürfen. Ich hätte den Rabbutnik in einen Stein verwandeln sollen. Du weißt, dass ich das kann.“ sagte der Magister zu seinem Sohn.
„Ja, Vater, ich weiß.“ sagte Marudas mit einem Lächeln auf den Lippen. „Aber jetzt halte deinen Ärger im Zaum. Wir sind da.“
„Wieso habe ich den Eindruck, dass dich das alles amüsiert?“
Marudas schaute seinem Vater ins Gesicht. „Weil ich dich kenne, Vater. Dir hat es Spaß gemacht mal wieder so richtig deine Zunge mit einem anderen über ein paar Heller zu wetzen.“
„Ein paar Heller? Über einen Dukaten“ brummelte Bagoas. Er kniff die Lippen fest zusammen. Fast so als ob er ein Schmunzeln unterdrücken wollte.
„Und insgeheim zollst du dem braven Brückenvogt Respekt, dass er sich nicht einschüchtern lies. Du hättest an seiner Stelle genauso gehandelt. Wenn ich mal einen Brückenvogt brauche, will ich auch so einen. Übrigens glaube ich, dass du dich mit dem Burgvogt gut verstehen wirst. Ich sehe da gewisse Ähnlichkeiten.“
„Etwas mehr Respekt vor dem Alter, wenn ich bitten darf.“ Die harschen Worten wurden durch das Lächeln Lügen gestraft, dass sich jetzt auf dem Gesicht des Magisters zeigte. „Und jetzt halte deine Zunge im Zaum, wir sind da.“
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Der Wolfenbinger Elfenkrieg II
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