Dramatis Personae:
- Rissan von Menzheim, Baron (Michael)
- Skira Nordfalk, eine rüstige Junkerin (Daniel)
- Ifirnia von Menzheim, Tochter und Baronin in Ausbildung (Michael)
Entscheidung in Menzheim
Menzheim/ Gut Menzheim, Winter 1047 BF
Die Menzheimer Au war lieblich anzusehen mit der weißen Decke, die sie sich übergeworfen hatte und die alte Junkerin Skira Nordfalk von Salwidur sog tief die kalte, klare Luft ein. Ein geradezu jugendliches Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie ihr
betagtes, aber treues Schlachtross auf Gut Menzheim zu lenkte.
Sie wollte sich mit Baron Rissan von Menzheim besprechen, wie Menzheim auf Arlans Aufruf reagieren würde. Ob Rissan das Heer der Freiwilligen unterstützen würde. Sie selbst hatte entschieden, das Ælfahr dem Baron einen Ritter mit kompletter Lanze, zwei Waffenknechte sowie zwei elfische Späher stellen würde, falls Rissan sich entschied, den Zug zu unterstützen. Sie hatte sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, und wie es die Art der Nordfalks war, würde sie sie auch persönlich vertreten.
Der Baron Rissan von Menzheim begrüßte die beinahe ein Vierteljahrhundert ältere Junkerin herzlich:
"Seid gegrüßt, werte Skira. Schön, dass Ihr mich mal besucht. Kommt erst einmal herein. Wir sollten Euer Anliegen bei einem Glas Meskinnes besprechen. Darf ich Euch meine Tochter Ifirnia vorstellen? Ifirnia, setz Dich doch bitte kurz zu uns.“
„Meskinnes klingt wunderbar nach dem Ritt, Hochgeboren, ich danke Euch.“
Umständlich setzte sich die Junkerin, die bei dieser Kälte das Gliederreißen stärker spürte.
„Die Zwölfe mit Euch, Ifirnia. Es ist lange her, beinahe 20 Jahre, da werdet Ihr Euch kaum an mich erinnern. Ihr seid eine wohlgeratene Frau geworden, will mir scheinen.“
„Tatsächlich war ich damals kaum 7 Götterläufe auf der Welt, und bedauerlicherweise erinnere ich mich nicht an Euch."
Ifirnia deutete eine Verbeugung an und wies der Junkerin den Platz.
Der Baron hatte ebenfalls Platz genommen und den Meskinnes ausgeschenkt:
„Nun, Ihr kommt sicher, um mich zu fragen, ob ich gedenke, dem Aufruf unserer prinzlichen Hoheit Folge zu leisten.“
Skira blickte Rissan aufmerksam an und nickte und erläuterte, was Salwidur bieten könnte.
„Euer Angebot lässt mich vermuten, dass Ihr eine Unterstützung gut heißen würdet. Ich jedoch frage Euch: Wie werden die Weidener Lande geheißen? „Stoßspeer des Reiches“ oder „Schild des Reiches“?
Also, nein, die Familie von Menzheim wird sich diesem Unterfangen nicht anschließen. Ich fürchte, dieser Heerzug wird einen unnötig hohen Blutzoll fordern, den ich nicht bereit bin zu zahlen. Der Aikar hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, dass er listenreich und skrupellos ist. Auf eigenem Boden hat er alle Möglichkeiten, und eine offene Feldschlacht gegen ein Weidener Heer zähle ich nicht dazu. Hinterhalte und nächtliche Überfälle schon eher.
Ich bin kein großer Stratege, aber wie man hört, ist selbst unsere geliebte Herzogin nicht vollends von der Sinnhaftigkeit diese Heerzuges überzeugt. Ihrem Aufruf wäre ich gefolgt, da ihr Urteilsvermögen unzweifelhaft ist.
Solltet ihr jedoch weiter Eurem Vorhaben folgen wollen, Euch dem Heerzug anschließen zu wollen, empfehle ich Euch, nach Trallop zu reisen. Man wir sicherlich ein Plätzchen für Euch finden. Meinen Segen und mein Einverständnis habt ihr.
Vielleicht wollt Euch für die Reise einer Schar anschließen, die unter dem Befehl von Hauptfrau Yasinde Adersin steht.
Gänzlich untätig war ich nämlich doch nicht. Ich habe einige meiner betuchten Untertanen einberufen, um eine erfolgreiche Tradition aus den Borbarad-Kriegen wieder aufleben zu lassen.
Wie Ihr wisst, zählen die Kuhburschen und -maiden Menzheims zu den besten Reitern des Kontinents, und wir haben etliche Freiwillige gefunden, die sich dem Heerzug als Meldereiter anbieten wollen.“
Skira lächelte Rissan zu, leerte noch ein Becherchen Meskinnes, sah zu Ifirnia hinüber und blickte dann den Baron wieder an.
„Ich höre Hesindes Vorsicht in Euren Worten, Hochgeboren, das ehrt Euch. Ich will Euch in Eurer Entscheidung nicht drängen, denn mir ist ebenso bewusst wie Euch, was der Ork vermag. Und ich weiß, was es bedeutet auf die Jagd zu gehen. Mir scheint es durchaus so, dass wir nicht einmal wissen, ob der Aikar überhaupt gejagt wird oder ob er uns nicht eher lockt.
Das macht mir Sorgen, der Herzogin und Euch offenbar auch.“
Die Junkerin streckte sich in ihrem Sessel, um ihre schmerzenden Knochen zu entlasten.
„Und Ihr tragt die Verantwortung für Eure Vasallen, da ist es gut sich Gedanken zu machen. Ich respektiere Eure Entscheidung, denn ich teile Eure Einschätzung, dass der Blutzoll hoch sein wird.
Dennoch halte ich es für unabdingbar, dass ein Schwertzug, sei er noch so leichtfertig ausgerufen, schlagkräftig sein muss. Ich nehme Eure Aussage dann als Euren Segen, das Kontingent aus Ælfahr nach Reichsend entsenden zu dürfen.
Eine Reise nach Trallop dürfte nicht notwendig sein, ich bin sicher, dass man uns auch direkt bei der Heerschau aufnehmen wird. Im Übrigen werde ich nicht selbst reiten, Hochgeboren. Ich bin zu alt für solche Eskapaden und die junge Avia weilt nicht einmal in Weiden. Eine Nordfalk sollte daher die Stellung halten.
Es freut mich aber zu hören, dass die tapferen Kuhburschen und -maiden Menzheims sich Arlans Sache anschließen werden.
Ich werde der Witwe meines Cousins, die als Legatin Rondras im Heerlager fungieren wird, den Trupp ans Herz legen.
Solcher Mut soll nicht unbelohnt bleiben – und hat einen eigenen Segen der Donnernden verdient.“
Die alte Nordfalk hielt für einen Moment inne, dann schien sich sich einen Ruck zu geben.
„Ich darf Euch noch einen Rat geben, hoffe ich, bisher war das ja stets so. Wenn der Zug unterwegs ist, richtet Eure Wachsamkeit nicht nur gen Westen, sondern blickt aufmerksam nach Süden.
Denn im Herz des Reiches brodelt es, so hört man. In Garetien versucht der Adel seine Kräfte mit denen der Kaiserin zu messen und Ihr wisst ebenso gut wie ich, wie schnell Begehrlichkeiten in Rommilys oder Wehrheim geweckt sind.
Zu sehr möchten unsere südlichen Nachbarn wieder ein Fürstentum werden. Ich für meinen Teil jedenfalls gedenke gut auf das Rauschen des Windes in Vanas Zweigen zu hören, denn ich will mich nicht von gieriger Adelspolitik überraschen lassen müssen.“
„... Verrückte Südländer ... Aber habt Dank für Euren Rat. Hesinde dürfte ein Wohlgefallen an Euch haben!“
Mit einem Zwinkern beendete Rissan den offiziellen Teil Unterhaltung.
„Aber erzählt doch mal: Wie geht es der Familie?“
Ifirnia seufzte leise.