Derzeit in Köhlersruh:

Die Waffenmagd Ilene glitt von ihrem Pferd, noch ehe es stand. Schon von weitem hat sie Jene erblickt, zu der sie geschickt wurde. „Hohe Dame Rovena von Rosenhagen?“ sprach sie die schöne junge Frau an, welche gerade in ihrem Garten eine Rebe voll Trauben begutachtete.

Ilene musste unwillkürlich grinsen, freute sie sich doch schon auf die nächste Lese auf Rovenas Anwesen, die immer mit einer kleiner gemütlichen Feierlichkeit für die Mägde und Knechte sowie einige Gäste zu Ende ging. Sie hasste derlei Aufgaben und war froh, dass sie nicht in einem großem Bottich mit Trauben steigen musste um diese mit einem Dutzend anderer Frauen Ringelreihen tanzend zu pressen, denn sie war froh, dass sie dem Baron als Kriegerin zu Diensten sein durfte. Wein treten, wie Rovena es gerne mit den Mägden tut, sind einer Ritterin nicht würdig, dachte sie noch, während sie sich selbst beim Gedanken ertappte, dass das unter Begleitung bardischer Musik bestimmt mal eine nette Erfahrung sein könnte.

Zumindest schien Rovena recht vergnügt, wenn sie sich ab und zu pro Götterlauf die Füße schmutzig machte.

Rovenas Versuch etwas Wein im Garten anzubauen, brachte zwar keine reiche Ernte, genügte aber zum Privatgebrauch. Daher war dieser rare Tropfen zwar kein formvollendeter, dafür doch ein selten doch trinkbarer Genuss. Ilene besann sich erneut ihrer Aufgabe und erhob erneut ihre Stimme.„ Seine Hochgeboren Rondrian von Blauenburg ersucht euch um die Erfüllung eures Lehnseides. Er braucht euch – sofort und in Waffen.“ Mit gradem Rücken, das Gesicht keine Mine verziehend, stand sie erwartungsvoll vor der Weidener Edlen.

Diese hielt immer noch gedankenversunken eine Rebe in der Hand, eher Ilene sie erneut ansprach und Rovena zu ihr aufsah. Sie hat ihren Besuch tatsächlich nicht kommen gehört, was ihr merklich leicht unangenehm war.

„Oh, verzeiht Ilene. Ich hatte Euch irgendwie nicht bemerkt. Doch nun werde ich meine kleine Leidenschaft ruhen lassen und mich eiligst reisebereit machen.“ Rovena ließ alles stehen und liegen. Schnell eilte sie hinauf in ihr Gemach und zog sich ihre Rüstung über, ehe sie, mit Bogen und Fechtwaffen geschultert, auf ihre junge temperamentvolle Stute stieg. Ein schönes wildes Tier im Alter von 4 Götterläufen, welches nur Rovena vermochte zu reiten. Denn sie hatte es einst per Hand aufgezogen nachdem die seine Mutter verstorben war.

So machte sie sich geschwind mit Ilene auf dem Weg zur Blauenburg.