„Den Zwölfen zum Gruße, Ehrbarer Herr von Brockingen. Mein Name ist Beoric Wächter, ich bin der Haushofmeister seiner Hochgeboren. Seid auf’s Herzlichste Willkommen.“ Beoric strich sich sein Wams glatt, auf dem man den Blauenburger Schild über dem Herzen erblicken konnte. „Ihr und Euer fremdländischer Begleiter. Und auch Ihr seid Willkommen in Travias Namen, Ritter von Ährenbach.“ Der Haushofmeister hatte die letzten Worte über den Hof gerufen und neigte kurz das Haupt bei der Nennung des Namens, woraufhin die Neuankömmlinge ihrerseits die Hände zum Gruß hoben und sich beeilten, zu den Wartenden aufzuschließen. „Gut, dass Ihr so schnell gekommen seid. Ich werde Euch sofort zum Baron geleiten.“
Waldebrand streckte seinen Arm in Richtung des Ritters von Ährenbach aus. "Rondra mit Euch, von Ährenbach. Mein Name ist Waldebrand von Brockingen."
„Und Rondra mit Euch! Fennwel aus Buchheim, ich freue mich, Euch zu sehen“, erwiderte der Angesprochene fröhlich, während er den Arm ergriff. Der Haushofmeister und seine beiden Gäste schritten durch die Flure der Burg. "Wisst Ihr vielleicht mehr über den Grund unseres Hierseins?" Auf dem Weg durch die Burg zogen Waldebrand und Rashid seltsame Blicke auf sich. Bei Rashid als Ausländer war das nicht ungewöhnlich, doch ein der Statur nach Weidener Ritter in voller Rüstung und gegürtetem Langschwert mit tulamidischer Barttracht und kunstvoll aufgetragener Männerschminke war doch ein ungewöhnlicher Anblick in der Blauenburg.
„Leider nein“, sagte Fennwel. „Ich bin erst im letzten Peraine-Mond mit dem Rittergut zu Buchheim belehnt worden, und zuvor war ich lediglich zweimal in Blauenburg. Das Gut war einige Götterläufe nur notdürftig instand gehalten worden, und so habe ich die ganzen letzten Monde dort verbracht.“ „Aber offenbar“, fuhr er nach einigen Schritten lächelnd fort, „bin ich nicht das einzige frische Blut hier in Wolfenbinge. Ich wähnte den Herrn von Finstertann um einiges älter – zumindest ist er mir so beschrieben worden.“
Ein Hüsteln entsprang Waldebrands Kehle. "Dann ist Euch wohl mein Herr Vater beschrieben worden, an dessen Statt ich hier bin, Gerion von Brockingen. Er hat sich ziemlich schlimm die Keuche geholt, so dass er nicht selbst herkommen konnte." Der Ritter sah einen Moment lang zu Boden. "Die Ärzte sagen, er wird wieder gesund, aber in seinem hohen Alter..." Er warf ein gezwungenes Lächeln zu Fennwel hinüber. "Wie dem auch sei, er schickte mich, Finstertann zu verwalten. Ich will hoffen, dass Seine Hochgeboren mich als rechtmäßigen Lehnsmann anerkennt." Dann waren Beoric und seine Gäste an einer stabilen Holztür angekommen, die er jetzt öffnete.
Von der anderen Seite empfing die Ritter zunächst der Duft nach Kamille. Und dann sahen die Eintretenden auch die unzähligen Blüten, die in das frische Stroh auf dem Boden gemischt waren. Erwartungsvoll betrachteten Baron Rondrian, die Edle Roanna und Vogt Wolfhardt die Neuankömmlinge. Die Drei hatten sich – wohl um die Gäste zu empfangen, denn kein Krug oder Teller ließen auf eine Tafelei schließen – im Großen Saal versammelt.
Beoric, der Haushofmeister wies den Rittern eine Stelle in der Mitte der U-förmigen Tafel, und trat an die Wand zurück. „Der Ritter Fennwel von Ährenbach und der Ritter Waldebrand von Brockingen. Wie Euer Hochgeboren befohlen, sind die wackeren Kämpen hier zur Stelle um ihren Lehnseid zu erfüllen.“ „Ah, meine Ritter, seid in Travias Namen willkommen auf meiner Burg. Fühlt Euch, als wäret Ihr in Eurem eigenen Heim!“ Mit diesen Worten hatte sich Rondrian von Blauenburg erhoben und breitete einladend die Arme aus.
Die Gefährtin des Blauenburgers folgte Rondrian mit einem freundlichen Lächeln. „Die Götter zum Gruße! „Fennwel, gut, euch hier zu sehen.“
Fragend blickte Roanna Rondrian an. Der andere Edle war ihr noch nicht bekannt. Und mit wem habe ich hier das Vergnügen?“
„Das, meine Liebe, ist der gute Ritter Waldebrand von Brockingen.“ Baron Rondrian neigte sich Roanna zu. „Er ist nunmehr an seines Vaters Statt der Herr von Finstertann. Genau wie dein Ritter Fennwel ist Ritter Waldebrand erst seit kurzem Lehnsträger hier in Wolfenbinge.“
Freundlich wandte sich die Edle nun dem Vorgestellten zu. „Ich bin erfreut, Ritter Waldebrand.“
Der Brockinger und sein Gefolgsmann verbeugten sich nach tulamidischer Sitte, was zumindest dem gerüsteten Ritter etwas schwer fiel. "Den Segen der Zwölfe auf Euer Haus, Euer Hochgeboren. Erlaubt mir, ein Gastgeschenk zu überreichen, auch wenn es etwas bescheiden ausfällt, da meine Vorräte arg zur Neige gehen." Rashid hatte mittlerweile seinen Rucksack abgesetzt und kramte darin herum. Nacheinander brachte er zwei Tonflaschen von je zweieinhalb Schank, einen Lederbeutel, eine hölzerne Schatulle und ein in Stoff eingeschlagenes Päckchen zum Vorschein und stellte sie auf den Tisch. "Bester Dattelwein, Pfeifenkraut und Tee aus Khunchom, mit den besten Wünschen meines Herrn Vater, Euer Hochgeboren. Außerdem eine Wasserpfeife, die ich zum Verköstigen des Krauts zur Verfügung stelle. Wie ich schon sagte, meine Vorräte sind arg geschrumpft, doch das wenige, das ich habe, teile ich gern."
Fennwel verbeugte sich tief vor dem Herrscherpaar. „Meine Herrin, Euer Hochgeboren, habt Dank für Euren freundlichen Empfang den grimmen Nachrichten zum Trotz.“ Mit einem kurzen Seitenblick auf Waldebrand neben ihm errötete er leicht. „Ich fürchte, ich kann Euch dieses Mal nur meine Treue, meinen Schwertarm und meinen Schild anbieten. Noch fehlt es im Gut zu Buchheim an Vielem, aber mit dem Segen der Götter und viel Fleiß wird es bald wieder zu einer Wehr und Heimstatt werden.“
„Da bin ich ganz sicher, Fennwel. Mit dem rechten Mann am rechten Ort wird dies wohl gelingen.“ Mit sanfter Hand strichen Roannas Hände sanft über die Wasserpfeife, kurz abwesend wirkend. „Ein schönes Stück, Ritter Waldebrand. Wo habt ihr sie gefunden?“
„Oh ja, berichtet, Lehnsmann! Und ihr müsst uns zeigen, wie man die raucht. In den vergangenen Zeiten, als ich noch ein Fahrender Ritter war, da habe ich solcherlei Pfeifen in den Basaren der Tulamidenstädte gesehen. Doch niemals rauchte ich selbst eine.“ Baron Rondrian stützte sich auf der Tafel auf. „Und Ihr, wackerer Ährenbach, genau dafür hatten wir nach Euch geschickt: Treue, Schwertarm und Schild! Ihr seid wahrlich ein Mann nach meinem Sinne! Seid mir Willkommen! Nehmt an meiner Tafel Platz! Euch soll sofort aufgetragen werden. Wenn dann die anderen hier erscheinen, wollen wir Rat halten.
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Der Wolfenbinger Elfenkrieg II
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