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Burg Hohenstein, Herzoglich Weiden, Ende Phex 1035 BF
Firutin von Hohenstein blickte durch die Butzenscheiben. Die Ränder waren von außen noch mit Ifirnssternen gesäumt und draußen bot sich der majestätische Finsterkamm noch mit schneebedeckten Spitzen. Im Tal war die Schneeschmelze bereits eingetreten und das erste zarte Grün fand seinen Weg an die Oberfläche. Der Vogt von Herzoglich Weiden saß gerne in dem kleinen Erker im obersten Stockwerk seines Turm. Meistens hatte er seine Laute auf dem Schoß, zupfte gedankenverloren an den Saiten und wartete darauf, dass ihm eine Melodie oder ein Reim einfiel. Gerade kam ihm einen solcher Gedanke. Er versuchte ihn festzuhalten und zu Ende zudenken, als ein Klopfen an der Tür die flüchtige Idee wieder aus seinem Kopf verjagte.
„Ja!“ rief er verärgert. Ein Diener öffnete die Tür, doch herein trat ein älterer etwas schlacksig wirkender Mann. Kurzes ergrautes Haar, würdige und strenge Gesichtszüge und makellose Kleidung, die man jederzeit zu einem höfischen Empfang tragen konnte, zierten den Gast der so energische in seine Gemächer schritt.
Mit einem Lächeln legt Firutin die Laute beiseite und erhob sich. „Kornrath, welche Freude,“ sagte er und schloss den Älteren in die Arme, „Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Junge.“ antwortete Der Pfalzgraf Bibergaus. „Wie geht es dir? Frau und Kinder gesund und munter, die Baronie im Griff und den Ork im Zaum?“ Beide lachten. Es war eine nur halb ernst gemeinte Floskel, die das Familienoberhaupt der Hohensteins immer gebrauchte, wenn er die Stammburg aufsuchte. Firutin legte den Kopf zur Seite und schaute seinen Onkel kritisch an. „Die Reise muss um die Jahreszeit noch recht beschwerlich gewesen sein. Also bist du sicher nicht nur gekommen, um Nettigkeiten auszutauschen, oder?“
Der Pfalzgraf von Bibergau lächelte. „Immer gleich zur Sache, eh? Du bist deines Vaters Sohn, ohne Zweifel. Aber du hast Recht, es gibt Wichtiges zu besprechen. Sag an, bekommt ein alter Mann hier nichts zu essen und zu trinken, nach so langer Reise?“
Im selben Augenblick klopfte es erneut, die Tür öffnete sich vorsichtig und eine Magd mit einem Tablett kam herein und stellte eine Kanne Bier, zwei Becher, Brot und Schmalz auf den Tisch. Sie bemerkte offenbar das überraschte Gesicht der beiden hohen Herren und errötete leicht. „Die Herrin schickt mich. Der hohe Gast ist sofort zu euch hier hoch geeilt, so dass wir ihn nicht gebührend in der Halle empfangen konnten. Sie bittet um Verzeihung.“
Firutin entließ das Mädchen. „Du kommt wohl auch gleich zu Sache?“ sagte er zu Kornrath „Muss wohl eine Eigenart unserer Familie sein.“ Der ältere Hohensteiner brummte nur, während er einen Schluck Bier nahm. „Deine Frau weiß auf jeden Fall, was sich geziemt.“
„Begina ist das Beste, was mir in meinem Leben bislang wiederfahren ist – neben den Geburten meiner Kinder.“ „Eine Aussage, die ich die ich seinerzeit nie von dir erwartet hätte. Als ich Deine Heirat angestrengt habe, hatte ich das Gefühl einem jungen Mann, der lieber noch herumstreunen wollte, Ketten anzulegen. Ich fürchtete aufgrund von Beginas Herkunft würdest du mir ewig böse sein.“ Firutin lachte „Warum das? Meine Gemahlin ist fröhlich, herzlich, klug und hübsch. Also so gar nicht wie der Sichelgraf, ihr Vater.“ „Den Göttern sei Dank dafür. Ich hätte nie gedacht, dass der verkniffene alte Sack etwas so liebliches hervorbringen könnte.“ Wieder lachten beide und ließen sich erst einmal Brot und Bier schmecken.
„Nun, was treibt dich nun zu mir?“ fragte Firutin nach einer Weile. „Hast du schon gehört, was in Albernia los ist?“ antwortete der Pfalzgraf. „Über den Winter dringt kaum Neues bis in den Finsterkamm vor. Daher ist meine Antwort: Nein.“ Kornrath nickte bedächtig. „Der Fürstensohn und Erbe soll verlobt werden. Im Ingerimm diesen Jahres soll eine Brautschau stattfinden. Soweit ich weiß, haben die Familien Pandlaril und Weißenstein bereits Mädchen ausgesucht, die sie dem Fürsten vorschlagen wollen.“ Beide Männer sahen sich einige Augenblicke schweigend an. „Gilamund?“ fragte Firutin einfach. „Ja. Sie ist im richtigen Alter und von richtiger Abstammung.“ „Sie ist erst zwölf. Ich wollte eher nach einem Schwertvater als nach einem Ehemann für sie Ausschau halten.“ „Eine ritterliche Ausbildung kann sie auch am albernischen Fürstenhof erhalten.“ Auf die Erwiderung reagierte Firutin nur mit einem abfälligen schnauben und halb ausgespieen „Albernische Ritter.“
Firutin lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich nehme an, du wirst mit mir nicht über die Entscheidung diskutieren. Viel mehr glaube ich, du hast bereits alles in die Wege geleitet und warst nur so höflich, mich über das zukünftige Schicksal meiner Tochter vorab zu informieren.“
„Junge. Was denkst du von mir? Ich liebe dich, wie den Sohn, den ich einst verlor und ich würde nichts tun, dem du nicht zustimmst. Nicht in solchen Sachen zumindest. Denk darüber nach, besprich dich mit deiner Gattin. Denk dabei aber, dass Mütter ein weiches Herz haben und über ihre Mutterliebe oft die höheren Ziele aus dem Auge verlieren. Diese Heirat würde das Ansehen der Hohensteins auf eine neue Stufe heben. Es liegt bei dir. Du hast die Wahl!“