Reichsend & Gräflich Schneehag, Anfang Rondra 1047 BF
Auf die bange Frage, wer die Verwaltung der jüngst heimgefallenen Baronie Schneehag für Graf Emmeran übernehmen wird, gibt es nun endlich eine Antwort: Mitte Praios hat der Löwenhaupter einen seiner engsten Vertrauten vom Reichsender Hof aus gen Süden entsandt. Bei dem Mann handelt es sich praktischerweise um den Vertreter eines altehrwürdigen Weidener Adelsgeschlechts, sodass mit weiteren Protesten vonseiten der benachbarten Barone kaum zu rechnen: Herrn Emmerans Wahl fiel auf seinen langjährigen Dienstritter Ewalt von Weißenstein. Der hat zwar zeit seines Lebens im Schatten der älteren Brüder gestanden, ist aber dennoch – zumindest in der Heldentrutz – kein Unbekannter.
Bei besagten Brüdern handelt es sich um niemanden Geringeres als Eberwulf von Weißenstein, Haushofmeister der Herzogin, und den „reitenden Troll“ Aldewein von Weißenstein Junker zu Weißenstein. Interessante Nebenbemerkung: Als jüngster aus dem Reigen wäre Ewalt nach alter Tradition seines Familienzweigs eigentlich Erbe des Junkertums – sprich: des Stammsitzes der Weißensteiner – in Herzoglich Waldleuen gewesen. Aus nicht näher bekannten Gründen trat er dieses Amt jedoch schon vor vielen Jahren an Herrn Aldewein ab und begab sich selbst ohne Murren als Dienstritter an den Hof des Trutzer Grafen. Es sieht so aus, als würde sich die Entscheidung nun in besonderer Weise für den Mann auszahlen.
Allein, ganz ohne Mühen scheint die Inbesitznahme der Lande am Finsterbach nicht vonstatten zu gehen. So wurde FANTHOLI über Ecken zugetragen, dass der Weißensteiner vor verschlossenen Toren stand, als er Burg Fîrnhag, den Sitz der Schneehager Herrscher, erreichte. Wie es sich genau zugetragen hat, ist schwer zu sagen, aber allem Anschein nach ließ die Witwe des verschiedenen Barons Firian Böcklin von Buchsbart beim Verlassen der Feste alle Türen und Tore hinter sich verrammeln und nahm die Schlüssel mit. So musste denn der neue Herr auf Firnhag Leitern aus dem nahen Weiler beschaffen und einer seiner Waffenknechte die Mauern hernach wie ein gemeiner Dieb oder gar feindlicher Eroberer kletternd überwinden, um auftun zu können.
Wie der Weißensteiner auf diesen holprigen Start reagiert hat, ist nicht überliefert. Sehr wohl aber, dass er danach unverzüglich mit einer Bestandsaufnahme begonnen hat: Erst auf Burg Firnhag und im nahen Dorf Steenbucken und anschließend in den weiteren Weilern der Baronie sowie im Kloster Etiliengrund. Offenbar nimmt er seine Aufgabe sehr ernst und will sie zur Zufriedenheit des Grafen ausfüllen – was von einem Weißensteiner aber ernstlich auch nicht anders zu erwarten war. Dieser Tage soll er zudem seine Frau, Eidwid von Hohenstein, und den jüngsten Sohn, Rubian von Weißenstein, nachgeholt haben, obwohl die Einrichtung der Burg angeblich momentan sehr dürftig ist, weil weite Teile davon ebenfalls mitgenommen wurden.
Im Anbetracht der Tatsache, dass es an den Hängen des Finsterkamms zuletzt vermehrt Scharmützel mit Orks gegeben hat, ist die Feste Reichsend zwar ohne Frage ein sichererer Aufenthaltsort als Gräflich Schneehag. Offenbar sind aber weder Herr Ewalt noch Frau Eidwid so zart besaitet, dass sie sich von derlei ins Bockhorn jagen lassen. Und recht so: Wer Land in der Heldentrutz regieren oder auch nur verwalten will, sollte dies mit Mut, einem starken Schwertarm und Vertrauen in den Schutz der Guten Götter tun – zum Vorbild des einfachen Volkes. Wacker und wehrhaft!