Burg Bockenstein, Baronie Nordhag, Boron 1035 BF

Baron Firian Böcklin von Buchsbart zu Schneehag ritt auf seinem Tralloper Graf Morgenstrahl in den Hof von Burg Bockenstein, dem uralten Stammsitz der Familie Böcklin. Neugierig schaute er sich um. Der Torturm war immer noch nicht fertig und der äußere, von einer zweieinhalb Schritt hohen Palisade umschlossene, Hof bot, wie immer zu dieser Jahreszeit, keinen schönen Anblick. Durch den vielen herbstlichen Regen war der Boden sehr weich und an vielen Stellen schlammig. Es gab zwar auf dem Bockenstein keine Rinder mehr aber dafür waren andere Vierbeiner an ihre Stelle getreten. Weshalb es zwar nicht mehr nach Kuh roch und die Spuren dieser Tiere den Boden bedeckten, dafür aber roch es deutlich nach Ziege und Schaf. Firian überquerte den äußeren Hof recht schnell und ritt vor die Pforte die in den inneren Hof führte. Zum Glück war der Boden hier mit Bruchsteinen bestückt. Denn die enge und schmale Pforte war zu niedrig als das er auf seinem Pferd durch sie durchreiten konnte. Er stieg als ab und durchschritt die Pforte zu Fuß. Auf dem inneren Hof, der von einer massiven Mauer aus dunkelrotem Buntsandstein umgeben war, übergab die Zügel von seinem Pferd an seinen Knappen und betrat den Sieben Schritt hohen, fünfeckigen Palas von Burg Bockenstein.

Firian war auf "Einladung" von Junkerin Yolanda Suminia Böcklin von Bockenstein, dem Oberhaupt der Familie Böcklin, auf den Stammsitz gekommen. Nachdem er eingetreten war nahm ihn Rowina Böcklin, dass letzte lebende von ehemals vier Kindern von Yolanda in Empfang. Sie begrüßten sich kurz und Rowina führte Firian anschließend gleich zu Yolanda.

Kurz nachdem sie den Bockenstein nach kaiserlichem Richtspruch zurückerhalten hatte war Yolanda vom Schlag getroffen worden. Ihr Geist hatte sich vollkommen erholt und wollte den Eindruck erwecken das sie noch viele viele Jahre die Geschicke der Familie Böcklin würde leiten können. Doch ihr Körper, noch vor wenigen Jahren erstaunlich kräftig und dazu in der Lage in einer Tjost gegen die besten anzutreten, war nur noch ein Schatten. Abgemagert und die eine Seite gelähmt saß sie neben einem Kaminfeuer in einem hohem Sessel. Bei den ersten Malen hatte Firian dieser Anblick erschreckt doch inzwischen hatte er sich daran gewöhnt. Er wollte nicht zu lange hier bleiben hatte er doch zu Hause eine hochschwangere Frau und er wollte die Geburt seines zweiten Kindes auf keinen Fall verpassen auch wenn Adaque ihm versichert hatte das es noch etwas dauern würde.

Deshalb kam er, nach einer kurzen, recht förmlichen Begrüßung, gleich auf den Punkt: "Natürlich freue ich mich dich zu sehen Yolanda und bin natürlich gerne deiner "Einladung" nachgekommen doch ist das Wetter und die Jahreszeit keine Schöne um zu Reisen. Also was gibt es so wichtiges?"

Yolanda gab ein grummelndes Geräusch von sich und sagte: "Manchmal frage ich mich ob ich mir nicht deinen schweigsamen Vater zurückwünschen soll. Der fiel jedenfalls nicht gleich sofort mit der Tür ins Haus. Andererseits war ich mir manches mal nicht so sicher ob er überhaupt ein Böcklin war so ruhig er immer geblieben ist ... . Wie geht es denn meinem "Enkel", dass wäre doch mal ein guter Anfang für ein Gespräch meinst du nicht auch?"

Firian wollte erst aufbegehren wusste aber dass das bei Yolanda sinnlos war. Von daher konzentrierte er sich auf den zweiten Teil. Yolanda war zwar keineswegs seine Großmutter doch sie fühlte sich für alle Böcklins verantwortlich: "Lebanus wächst täglich, im Ingerimm wird er schon 2 Götterläufe alt, und er hat sowohl eine kräftige Stimme als auch Griff. Ich denke er wird beizeiten ein würdiger Böcklin und Baron von Schneehag werden."

"Und wie geht es deiner Mersingen und dem zweiten Kind?"

Firian seufzte: "Kannst du sie nicht Adaque nennen und mal über deinen Schatten springen und sie einladen. Sie würde dich gerne einmal kennen lernen. Auch wenn sie ihren Namen behalten hat so ist sie doch meine Frau und gehört nun zur Familie!"

"Ich bin eine alte Frau und habe in meinen vielen Jahren viel über die "Großen" Familien gelernt. Die Mersingens denken sie sind was besseres und so wie sich die meisten von ihnen in den letzten Jahren benommen haben ist mir meine verbliebene Zeit zu kostbar um Gefahr zu laufen das sie auch zu dieser Sorte gehört. Ich weiß nicht wie es deine Mutter geschafft hat Adaques Vater dazu zu bringen dich zu heiraten, einen mickrigen Baron aus der Heldentrutz! Nein du brauchst es gar nicht abstreiten. Auch wenn ich körperlich gebrechlich bin habe ich doch noch Augen und Ohren die umherziehen", Yolanda blickte kurz zu ihrer Tochter Rowina, "und mir viel berichten. Ich weiß wie es auf deiner Hochzeit zugegangen ist. Aber genug davon ich habe gefragt wie es ihr und dem Ungeborenem geht?"

Mit Mühe schaffte Firian es sich zusammen zu reißen. Wobei Yolanda nicht ganz unrecht hatte. Adaque und ihr Vater waren ganz anders gewesen als die sonstigen Mersingens die er kennen gelernt und von denen er gehört hatte. Aber die Hochzeit auf Burg Dornensee war doch in einem sehr kleinen Rahmen, was die Familie der Braut anging, gefeiert worden. "Soweit man das sagen kann scheint alles in Ordnung zu sein. Es strampelt kräftig und der Bauch wird immer größer, ebenso wie das Gejammer über dicke Füße und dergleichen...."

"Wenn ich noch könnte würde ich dir jetzt die Ohren lang ziehen. Typisch Mann. Werd du erst einmal schwanger und bekomm ein Kind und dann unterhalten wir uns noch einmal über das Thema", Yolandas Stimme war für ihre Verhältnisse etwas sanfter geworden.

"Wie auch immer... ich gehe jedenfalls davon aus das ich nicht deshalb hier bin oder?"

"Nein nicht wirklich auch wenn es um Kinder geht. Ich gehe davon aus das du es auch schon gehört hast oder bald hören wirst. Die Regentin von Albernia sucht eine Frau für den zukünftigen Fürsten und hat nach Havena eingeladen."

Firian hatte das am Rande gehört und ebenso das es schon so einige Familien in Weiden gab die Damen ins "Rennen" bringen wollten. "Ja und ... du willst doch nicht auch jemanden zum werben nach Havena schicken oder?"

"Nein, ganz bestimmt nicht! Wir haben hier mehr als genug damit zu tun den Schwarzpelz abzuwehren als das wir uns eine Böcklin leisten könnten die für Ruhe in dieser Rebellenprovinz sorgt. Aber ich habe etwas anderes gehört. Die Herzogin will noch etwas abwarten und sich dann für eine der Kandidatinnen aus Weiden entscheiden. Diese erhält dann die Unterstützung der gesamten Familie Löwenhaupt und sehr viele werden ihr folgen. Man könnte auch sagen sie erwartet das alle Weidener dann dem Willen der Herzogin folgen und ihre Kandidatin unterstützen. Doch wir können es uns nicht leisten dem einfach so zuzustimmen. Der Kampf gegen den Ork verlangt viel und unsere Ländereien werfen nur wenig mehr ab als das was wir zum Leben brauchen. Bevor ich sterbe will ich noch ein einziges Mal sehen wie wir ein Orklager, oder noch besser einen ganzen Stamm vernichten. Ich will das wir angreifen und uns nicht immer nur verteidigen. Ich weiß das du ebenso denkst mein Junge und daran arbeitest. Nach unserem Sieg im letzten Götterlauf ist die Gelegenheit günstig. Wir müssen endlich die Initiative ergreifen und unseren Rücken frei machen vor der ständigen Bedrohung durch die Schwarzpelze die sich auf unserer Seite des Finsterkamms eingenistet haben. Erst dann können wir uns um die Schnewlins kümmern und weiterdenken. Aus diesem Grund habe ich vor jemanden nach Havena zu schicken und etwas für unsere Unterstützung zu bekommen als bloß den Undank der Löwenhaupts."

Firian wusste nicht so genau ob ihm gefiel was er da hörte. Wollte Yolanda die Unterstützung der Familie Böcklin "verkaufen". Skeptisch blickte er sie an. "Wer soll das sein der nach Havena reist. Ich kann hier nicht weg und überhaupt einfach so dem Höchstbietenden unsere Unterstützung "verkaufen" ... ich weiß nicht... das gehört sich doch nicht."

"Sei nicht dumm", herrschte Yolanda ihn an, "Natürlich nicht an den Höchstbietenden... am Ende taucht Goldo Paligan auf und wird am meisten bieten... nein das geht natürlich nicht. Auch ist mir natürlich bewusst das du nicht den weiten Weg machen kannst. Aber das brauchst du auch gar nicht. Mein Enkel Anshag zieht als Fahrender Ritter doch durch die Lande da unten. Er hat mir vor Monden einen Brief aus Kuslik geschickt und darin geschrieben das er sich noch einige Zeit im Westen des Reiches aufhalten will. Er wird bestimmt die Gelegenheit nutzen und in Havenna sein wenn sich dort so viel Adel versammelt. Ihm werden wir eine Botschaft überbringen das er für uns dort sprechen wird." Yolanda schaute wieder kurz zu Rowina als sie sagte sie würde eine Botschaft überbringen lassen.

"Du wirst ein Schreiben siegeln indem du als höchster Böcklin in der Adelspyramide ihm bestätigst das er mit unserer Stimme sprichst und ich werde dafür sorgen das er genau weiß was er zu tun hat."

Firian war nicht ganz glücklich mit der Sache aber nachdem er ein paar weitere Erklärungen erhalten hatte fing Rowina an zu schreiben und am Ende siegelte Firian das Schreiben und es ging auf den Weg nach Albernia zu Ritter Anshag Böcklin von Bockenstein.