Die Jagd - Sha´torm
Ort: Inseln im Nebel
Dramatis Personae:
- Vernossiel-Öffnerin-der-Tore (Hochelfe)
- Faelanthîr-mit-dem-silbernen-Haar (Hochelf)
Inseln hinter dem Nebel, etwa zur selben Zeit
Faelanthîr kannte den weißen Turm besser als die meisten seiner Brüder und Schwestern. Er wusste nicht genau warum, aber Prinzessin Vernossiel schien einen Narren an ihm gefressen zu haben. Das, oder er war ein Diener, den sie ohne viele Widerworte in fremde Welten schicken konnte, wobei er sich in weiterer Folge nicht allzu unfähig anzustellen schien.
Das Tor des Portals war aus edlem Holz und so groß, dass problemlos ein Vierspänner durchfahren konnte. Die Beschläge waren in Gold gehalten und auch der Eingangsbereich schien als betrete man eine andere Welt. Auf einmal wirkte alles hier größer und noch pompöser. In einem Springbrunnen in der Säulenhalle hinter dem Eingang sprangen Illusionen von Delphinen, an den Wänden hingen Gemälde von sehr fragwürdiger Kunstfertigkeit. Die Gesichter der Motive waren seltsam verzerrt, und alles war so … bunt.
Auch war er nun nicht mehr alleine. Ein Elf, der gerade mit einer Vase frisch gepflückter Blumen vorüberging, verneigte sich ehrerbietig vor dem Krieger.
Über eine Wendeltreppe gingen sie in luftige Höhen, und selbst der trainierte Elfenkrieger atmete nach einer Zeit schwer. Ein Geräusch, das vom leisen Klirren seiner Rüstung untermalt wurde und sich zu einer eigenartigen Symphonie verband.
Oben angekommen, schritt der stolze Krieger hinaus auf eine ihm wohlbekannte Dachterrasse. Auch hier waren andere Angehörige seines Volkes anzutreffen. Ein weiterer Mann, der gerade ein Tablett mit frischen Früchten trug, und eine junge Frau, die hinter einer Staffelei stehend zwei junge barbusige, auf einer Chaiselongue sitzende Schönheiten porträtierte. Wiewohl auch bei diesem Werk die wunderschönen Gesichter der beiden jungen Frauen seltsam verzerrt waren, erkannte der Elf die Schönheit in der, unter Angehörigen seines Volkes sehr beliebten Kunstform.
Bevor er sein eigentliches Ziel erreichen sollte, stand ihm noch eine weitere Begegnung bevor. Faelanthîr kannte den schwarzen Wolf mit dem Stockmaß eines kleinen Pferdes. Der Warg war von eindrucksvollem Wuchs, das Fell schwarz glänzend, gleich feinster Seide, der Körper schlank und kräftig, die Zähne weiß wie Schnee und die Augen blau wie der Himmel über ihnen. Er musterte den Neuankömmling mit einem Blick, hinter welchem eindeutig mehr schlummerte als der Geist eines Tieres.
“Sanyaza, Lagra´dir!”, erklang eine, dem Krieger bekannte Stimme, in welcher gleichermaßen Autorität und auch Melodie mitschwang. Hinter dem beeindruckenden Wächter erschien eine atemberaubend schöne blonde Elfenfrau in einem fließenden, hellblauen Kleid und einem dezenten, doch sehr kunstvollem Diadem im Haar. An ihrem rechten Ärmel hatte ihre Robe einen wohlgesetzten Schlitz, der den Blick auf ein sternförmiges Mal an ihrer Schulter freigab.
Der stolze Elf verneigte sich. “Ihr wolltet mich sehen, Hoheit”, meinte er unterwürfig.
Vernossiel wies auf eine Tafel, um die Polstermöbel standen. “Bitte setz dich!” Sie wartete bis der Krieger ihrer Aufforderung nachgekommen war. “Ja, du wirst etwas für mich holen”, meinte sie dann unverblümt und strich mit ihren schlanken Fingern über den Stiel eines Kristallglases.
“Heißt das, dass Ihr …”, Faelanthîr hielt an sich und räusperte sich, “... bitte verzeiht.”
Die blauen Augen der Elfe lagen für einen Moment streng und wortlos auf ihrem Diener. “Wenn man sich auf eine Sache verlassen kann, dann ist es die Beeinflussbarkeit der Menschen. Egal ob durch ihre Götter, deren Priester und ihre Versprechen oder durch simple Magie … am Ende bekommt man was man will …”, ihre Finger verließen das Glas und sie streckte den Zeigefinger ihrer Linken hoch, “... wenn man es versteht die richtigen Reize zu setzen.”
Die Elfe erhob sich aus ihrem Stuhl, ging hin zur Brüstung und blickte in weite Ferne. “Die Menschen haben mir meine Tochter genommen, ich werde sie nicht noch einmal unterschätzen. Aber ich brauche einen treuen Diener, der mir das holt was Alari mit sich genommen hat …”
“Ihr wisst, dass Ihr in mir den treusten Diener habt, Vernossiel”, der Elfenkrieger nickte entschlossen. “Sagt mir wie und wo ich Euch dienen kann und betrachtet die Aufgabe als erledigt!”
Die edel geschwungenen Lippen der Prinzessin verzogen sich zu einem zufriedenen Lächeln. “Nobel, mein treuer Faelanthîr. Hört gut zu, denn ich werde es Euch nur einmal sagen …”