Der typische Weidener interessiert sich zuvörderst für Weiden. Das ist ein eherner Grundsatz. Er gilt nicht nur für das einfache Volk, sondern auch für den Adel. Dass ein edles Weidener Geschlecht Ambitionen hegt, auch außerhalb der Bärenlande bekannt zu werden? Äußerst selten. Sich in grenzübergreifende Ränkespiele verstricken, um Einfluss in anderen Provinzen oder gar am Kaiserhof zu gewinnen? Nichts, was den durchschnittlichen Weidener Ritter, Junker oder gar Baron hinter dem Ofen in der heißgeliebten Heimat hervorlocken würde. Dieser Mangel an Ehrgeiz ist für die hohen Familien aus anderen Herzog- und Fürstentümern bisweilen befremdlich. Sie haben sich jedoch — mal zähneknirschend, mal froh über die ausbleibende Konkurrenz — mit der Zeit arrangiert und schlagen bei ihren machtpolitischen Erwägungen heute meist einen großen Bogen um die Mittnacht.
Für die Weidener Edlen ist das auf der einen Seite bequem, denn sie können in ihrer Heimat weiter ungestört walten. Auf der anderen Seite ist es natürlich keine blendende Ausgangslage, wenn bei Entscheidungen von reichsweiter Bedeutung doch mal Einfluss geltend gemacht werden muss. Löwenhaupt, Binsböckel, Hohenstein, Pandlaril und Weißenstein. Das sind die Namen, die Weiden in solchen Fällen in die Waagschale werfen kann. Sie stehen vor allem für Mut, Loyalität und Kampfkraft. Weniger für diplomatische Meisterleistungen oder das Schwelgen in finanziellem Überfluss. Vertreter der anderen prominenten Häuser haben sich weitgehend aus den Bärenlanden zurückgezogen. Es bleiben viele teils sehr alte und mehrheitlich sehr traditionsbewusste Adelsfamilien, deren Namen jenseits des Herzogtums aber kein Gewicht haben. Oder wer weiß etwas über die von Pallingen zu berichten? Von Hölderlingen? Von Gringelbaum? Von Welkenstein?