Eine junge Rahjiani aus Fasar findet, einem göttlichen Fingerzeig folgend, ihren Weg nach Weiden.
Ort: Fasar und Baronie Weidenhag
Zeit: Peraine - Ingerimm 1038 BF
Dramatis Personae:
Rahjania Al-Azila Ahmedsunya (junge Geweihte der Rahja)
Feyenhold von Welkenstein (Junker von Wargenforst)
Sidrat von Dûrenwald (dessen damalige Geliebte und gegenwärtige Ehefrau)
Gwidûhenna von Gugelforst (Baronin von Weidenhag)
Tempel der Radscha Uschtammar, Fasar, Peraine 1038 BF
Im Raum war es schwül und dunkel, die Luft war angereichert von Aromen und Gerüchen, welche von vielen hier platzierten Rauchstäben und Kerzen herrührten ... als würde sie schreien, öffnete die junge Frau auf dem Bett den Mund, doch sollte kein Laut über ihre Lippen dringen. Ihr nackter Körper bog sich in ein Hohlkreuz und sie schlug seufzend die Augen auf. Sie konnte sehen, doch schien ihr Geist noch in einer anderen Welt. Ihre neben ihr knieende Schwester Rahschanya hielt sie erschrocken an den Schultern und schüttelte sie.
"Rahjania! Hörst du mich?" Sicher fehlte es ihrer Freundin bloß an frischer Luft und etwas Wasser. Die beiden jungen Dienerinnen der schönen Göttin hatten eben noch im Zimmer gescherzt und wollten sich auf das abendliche Ritual vorbereiten, als Rahjanias Augen nach hinten rollten und sie wie leblos auf dem Bett zur Seite gekippt war. Radschanya musste sich eingestehen, dass ihre Schwester ein außergewöhnlich schönes Wesen war - schöner als sie selbst - 23 Götterläufe alt mit rabenschwarzem Haar, das sie, entgegen der Mode, wohl aus Trotz oder Übermut kurz zu tragen pflegte. Groß gewachsen und schlank war sie, jedoch mit passenden weiblichen Rundungen an den richtigen Stellen. Doch es waren in erster Linie ihre dunklen, fast schwarzen Augen, die selbst für in diesen Breiten geheimnisvoll und anziehend wirkten. Mussten viele ihrer Schwestern mit Kohlestaub nachhelfen um ihre Augen so zur Geltung zu bringen, war es Rahjania göttinnengegeben.
Langsam fand die junge Frau in die Wirklichkeit zurück und schob mit der Hand den Becher Wasser beiseite, welchen Rahschanya ihr reichen wollte. "Ich muss weg, in den Norden." Sie nahm die Hand der Freundin und war so ernst, wie diese sie selten gesehen hatte. "Ich habe SIE gespürt, leibhaftig." Sie flüsterte erregt und ihre Augen weiteten sich vor Aufregung. "Ich muss mit der Erhabenen sprechen, unbedingt ... es waren Bilder ... Wald, wild anmutende Menschen, denen Rahja nahe gebracht werden muss. SIE will es so. Und immer wieder Rosen, sie sind so schön ..." Rahjania war aufgesprungen und eilte zur Tür. Kurz schien es als würde sie stolpern und vorne über fallen, dann warf sie einen Blick zurück auf ihre Freundin. "Ich erkläre es dir später. Ich muss mit der Shanja Rashanja darüber reden, bevor die Bilder verblassen ..." Rahschanya wollte etwas erwidern, da sah sie, dass an Rahjanias Rosentätowierung, die ihre linke Brust zierte eine der Knospen zu einer blühenden Rose ´gewachsen´ war.
Baronie Weidenhag, Hzgt. Weiden, gut einen Mond später
Es regnete unaufhörlich als Rahjania und Assaf nach kurzer Rast der ´Straße´, oder besser gesagt dem Trampelpfad, weiter gen Efferd folgten. Das Fell ihrer hübschen Schimmelstute war nass und mit Matsch besprenkelt und die Umgebung zeigte sich auch hier gewohnt eintönig; Wald, lichterer Wald und dichterer Wald. Ihr Geleitschutz, der Tempelgardist Assaf, blieb während ihres gemeinsamen Weges wortkarg und angespannt. Zu viel mochte sich hier verbergen, ungesehen im Dunst hinter Bäumen und Sträuchern. In der letzten Schänke innerhalb eines Dorfes namens Dûrenbrück hatte ein bärtiger, angetrunkener Einheimischer von einem Heiligtum der schönen Göttin gelallt. Rahjania war verzückt, da der Kerl wohl nicht ganz so haarig und dreckig gewesen war, wie sie es nach ihrer Vision befürchtet hatte. Seine Worte waren jedoch nur schwer verständlich gewesen, hier im Norden sprach man Rahja seltsam aus und ihr Garethi war nicht das Beste, doch hatte ein seltsamer Drang Rahjania hierher geführt und sie fühlte deutlich auf dem richtigen Weg zu sein. Sie konnte es sich selbst nicht erklären, doch war es der jungen Geweihten unmöglich diesem Gefühl zuwider zu handeln. Als führe sie die Herrin mit unsichtbarer Hand. Es war wohl vergleichbar mit dem Band, das Fische zu ihrer Laichstelle führte, oder die Vögel auf ihre Wanderschaft über den Kontinent schickte...
´Immer den Dergel entlang´, hatte er ihnen gesagt. Endlich lichtete sich der Wald etwas und man konnte eine kleine Burg erkennen. Auf der Gegenseite des Flusses konnten sie ein Dorf ausmachen. "Da müssen wir hin!" Rahjania deutete zwar auf das Dorf, zögerte dann aber. Sicher wäre es besser, erst mit demjenigen zu sprechen, der oder die hier das Sagen hatte. Sie machten sich deshalb erst auf zur Burg.
Entgegen aller Warnungen hatten sie sich direkt durch den Wargenforst gewagt. Außer, dass sich Rahjania und ihr Begleiter stets beobachtet fühlten gab es jedoch keine besonderen Vorkommnisse. Burg Welkensteyn, so nannten die Einheimischen das von wildem Wein und Efeu überwucherte Gemäuer, saß auf einem Felsen oberhalb des wild sprudelnden Dergelflusses und war nur über einen schmalen Steig zu erreichen. Während die Geweihte auf ihrem Ross sitzen blieb, stieg Assaf ab und führte beide Rösser am Zügel. Zu groß war hier die Gefahr, dass eines des Tiere abrutschte.
Das Tor stand offen und die Tulamiden sahen überall grün-silberne Banner hängen, die sowohl eine rote Rose mit goldenen Butzen und Kelchblättern auf grünem Grund, als auch einen schwarzen Wolf auf Silber zeigten. Zwar wurden sie von zwei Waffenknechten missgünstig beäugt, doch machte hier niemand Anstalten sie aufzuhalten. Erst als sie in den Innenhof ritten, schritt eine schlanke, groß gewachsene Frau auf sie zu. Diese hatte ihre langen blonden Haare zu einem, mit Leder umwickelten, Zopf geflochten, trug eine ärmellose lederne Weste, enge lederne Beinlinge und hohe Reiterstiefel. Das Langschwert an ihrer Seite wies sie als Ritterin aus. Der Blick der ankommenden Frau fiel auf Rahjania, während sie Assaf nicht den Hauch einer Beachtung schenkte. "Euer Gnaden...", sprach sie mit kräftiger Stimme, "...wie kommen wir zu der Ehre eine Dienerin der Schönen in unseren bescheiden Hallen begrüßen zu dürfen?"
Voller Freude hatte Rahjania die Rose auf dem Wappen gesehen. Hier musste sie richtig sein, das konnte sie deutlich fühlen. Die heimische Adlige hatte sie gleich korrekt eingeordnet, also war ihr der Glaube nicht allzu fremd. Unbedarft schritt sie auf diese zu. „Rahja zum Gruße, Hochgeboren.“ Mit dieser Anrede machte man am wenigsten falsch - das hatte sie bei ihrer Reise durch Garetien lernen müssen. Manch einer der Mittelreichischen Adeligen reagierte ungehalten, wenn man ihn falsch ansprach. „Ich bin Rahjania al-azila Amedsunya, Dienerin der Radscha Uschtammar aus Fasar. Die Göttin hat zu mir gesprochen. Ich solle gen Firun ziehen und werde dort einen Tempel und Menschen finden, denen ich IHREN Glauben näherbringen soll. Besonders wichtig dabei seien dabei wohl der Herrin heilige Rosen..." Die junge Frau war während sie sprach, nachdenklich geworden. "Mein Weg wies mich hier her. Hier bin ich richtig, nicht wahr?"
Die Angesprochene neigte ihren Kopf und musste unwillkürlich lächeln als Rahjania geendet hatte. "Na na na ... Hochgeboren ist zuviel der Ehre. Mein Name ist Waindis von Welkenstein. Ich bin die hiesige Burgvögtin. Ihr könnt mich jedoch einfach Waindis nennen." Die Adelige lächelte verschmitzt. "Auf Formalitäten geben wir hier nicht viel." Sie wies in einer weitläufigen Handbewegung um sich. "Willkommen auf Burg Welkenstein, Sitz und Heimat der gleichnamigen Familie und des Junkers zu Wargenforst." Die Ritterin bot Rahjania ihren helfenden Arm um vom Pferd zu steigen, dann kam sogleich ein Knecht heran und führte die schöne Stute weg. "Um auf Eure Frage zurück zu kommen. Ja, ich denke Ihr seid hier richtig." Die blonde Frau biss sich auf sie Unterlippe, dann lächelte sie abermals. "Kommt ich stelle Euch dem Burgherren vor. Ich hoffe nur, dass er pässlich ist. Er hat ... äh ... Besuch."
Die beiden Frauen machten sich auf den Weg zum Palas und der "großen Halle", die, wie die Burg selbst, jedoch sehr überschaubar war. Rahjania fiel vor allem die Unzahl an kunstvollen, elfisch anmutenden Schnitzereien im hier allgegenwärtigen Holz ins Auge. Auch waren im Inneren der Burg einige kunstvoll gemalte Bilder aufgehängt, die sowohl recht freizügige rahjianische, als auch elfische Motive zeigten.
In der ´großen Halle´ angekommen, sah die Tulamidin einen jungen Burschen auf einem schweren, mit Schnitzereien verzierten Eichenstuhl sitzen. Soweit sie das beurteilen konnte, war er hübsch und edel von Wuchs, trug keinen Bart und ließ seine gekürzten blonden Haare ungezähmt auf seinem Kopf sprießen. Auf seiner Schoß saß eine kichernde rothaarige Frau, die ihn mit Küssen eindeckte und deren Wangenfarbe sich bereits jener ihrer kupferrote Haare angenähert hatte.
"Hrmpf...", räusperte Waindis und lenkte somit die Aufmerksamkeit der Beiden auf sich und ihren Gast. "Feyenhold ... ich darf dir Ihre Gnaden Rahjania vorstellen." Erst jetzt sah die Rahjiani, dass der Junker wohl seine Hand unter den Röcken der jungen Frau auf ihm hatte. Diese löste sich, vielleicht auch genau deshalb, nur eher widerwillig von ihm und ließ ihm damit sie Möglichkeit sich zu erheben. "Euer Gnaden...", grüßte der Adelige, der wohl noch jünger war als Rahjania selbst, dann gönnerhaft und deutete schelmisch grinsend eine Verbeugung an, "... mein Name ist Feyenhold von Welkenstein ...", er wies auf die Frau neben sich, "... und das ist meine liebste Sidrat von Dûrenwald." Sein Grinsen steigerte sich zum Lächeln. "Kommt her. Setzt Euch zu uns an den Tisch und erzählt von Eurem Begehr."
Alles wirkte recht vielversprechend und ganz anders, als sie es auf dieser Reise sonst gewohnt war. Hier auf der Burg schien man Rahja gegenüber offen zu sein. Das bewies auch der junge Mann ihr gegenüber. Sicher hatte er noch nie eine Frau wie Rahjania gesehen, war sie doch, gerade wegen ihrem dunklen Teint und ihren dunklen, vielversprechenden und undurchdringlichen Augen schon exotisch genug. Obwohl sie sehr artig bekleidet war, was vor allem der hiesigen Witterung und den Gefühlen der konservativen Bevölkerung geschuldet war, sah Feyenhold sich einer Rahja beinahe ebenbürtigen Frau gegenüber. „Sidrat, Feyenhold ... Rahja sei mit Euch ...“ Sie lächelte lieb und gab den beiden Adeligen ihren Reisebericht wieder. Dieses mal zeigte sie auch ihre Tätowierung, die Rose auf dem Dekolleté, die nun eine zweite, halb geöffnete Blüte zeigte. Sie schien ihrem Ziel wohl sehr nahe zu sein.
"Es ist uns eine Ehre, Euch in unserer Halle begrüßen zu dürfen, Euer Gnaden." Feyenhold hatte ihr interessiert gelauscht und dabei stets Sidrats Hand gehalten. Rahjania konnte das starke Band der Liebe förmlich spüren, das die beiden jungen Menschen verband. "Wie es scheint hat Euch die Göttin zum richtigen Zeitpunkt geschickt. Ich bin erst vor wenigen Monden hier auf der Burg meiner Ahnen eingezogen und die verwaiste Kapelle unten im Dorf war mir stets ein Anliegen." Er stoppte kurz. Eine Magd trug essen und warmen Tee auf. Feyenhold dankte ihr mit einem Lächeln. "Die Baronin wollte schon zur Metropolitin nach Baliho schicken lassen, die Rahjakirche möge doch einen Geweihten oder eine Geweihte hier her entsenden. Es scheint so als hätte die Herrin andere Pläne." Die Augenbrauen des Junkers wanderten nach oben und er schenkte der Geweihten etwas Tee ein. "Nur sagt mir Rahjania. Diese Wilden, denen Ihr gedenkt die Göttin näher zu bringen ... das sind doch nicht etwa wir oder meine Schutzbefohlenen." Er lachte auf und auch Sidrat musste kichern.
Beseelt von dem Glücksgefühl endlich angekommen zu sein und aufgeregt, da sie ihre künftige Wirkungsstätte bald sehen würde, hatte Rahjania erstmal zwei Tassen Tee getrunken. Eine, für sie ungewohnte heimische Mischung. "Die Bilder waren undeutlich und es sahen alle Menschen so aus, seit ich den Raschtulswall hinter mir habe. Ihr mögt eine Ausnahme sein, doch hier in dieser Region scheint man diesen ... Geschöpfen aus meinen Traumbildern recht ähnlich. Ich bin deshalb nicht nur der Witterung wegen so züchtig angezogen." Sie zupfte an den langen Ärmeln ihres festen Gewandes. "Diese Kapelle von der ihr gesprochen habt ... sie ist der Rahja geweiht? Gibt es dort eine Unterkunft für mich? Wann kann ich sie sehen?" Sie sollte eigentlich mehr Ruhe bewahren, aber es kam nach der langen Reise doch die junge, impulsive Frau in ihr durch, die sie war.
Burg Welkensteyn, Hzgt. Weiden
Feyenhold wandte sich schmunzelnd zu seiner Geliebten um, die ihr Lächeln auch nur schlecht verhehlen konnte. "Es freut uns, dass wir eine Ausnahmen sein mögen und Ihr Euch hier nicht gänzlich mit Monstern umgeben müsst." Seine eisblauen Augen lagen noch ein paar Herzschläge lang eindringlich auf der Geweihten. "Die Kapelle ist soweit bezugsfertig. Die Baronin hatte sich die letzten Jahre darum gekümmert, dass alles in Schuss gebracht wird." Der Blick des Junkers löste sich von seinem Gegenüber und ging hinüber zu seiner Base. "Waindis war so nett sich, als Laie sozusagen, um die heiligen Rosen zu kümmern." Er ließ ein Nicken in ihre Richtung folgen, als wolle er der Ritterin damit danken. "Von unserer Seite aus spricht nichts dagegen, dass Ihr den Tempel bezieht, doch müssen wir der Form halber auch mit der Baronin sprechen und den Meteopoliten der Rahjakirche in Baliho darüber in Kenntnis setzen."
"Wunderbar, das hört sich vielversprechend an. Dürfen denn mein Beschützer und ich diese Nacht hier verbringen?" Freudig hatte sich in die Hände geklatscht. Wenn es morgen gut lief, würde sie bald einen Brief nach Fasar schicken und um ein paar unverzichtbare Kleinigkeiten bitten, die es hier allem Anschein nach nicht gab. "Ihr könnt mir etwas von Euch und Eurer Familie erzählen. Ihr plant den Traviabund, wie ich sehe ... zumindest meine ich das vorhin herausgehört zu haben ..." Ihr Blick ging zwischen Sidrat und Feyenhold hin und her. "Es ist hier in Weiden wohl nicht üblich, das ist mir bewusst, aber ich könnte Euren Bund zusätzlich durch einen Segen Rahjas bekräftigen."
"Dürft Ihr. Es wäre uns eine Ehre und Freude", bestätigte Feyenhold nickend. Rahjania fiel erst jetzt auf, dass der Gardist nicht bei ihr war. Noch bevor sie darauf etwas sagen konnte, stieß Sidrat einen kaum zu vernehmenden Seufzer aus, der die Geweihte jedoch aufhorchen ließ. "Wisst Ihr...", dennoch war es Feyenhold, der zu sprechen anhob, "...Rahja und Travia stellen uns gerade vor eine schwere Prüfung. Unsere Familien sind sich langer Zeit spinnefeind und es wird wohl keinen Traviabund geben." Der Junker nahm seine Geliebte neben ihm tröstend in seine Arme. Auch sein so hübsches Gesicht sah in diesem Moment traurig und leer aus. "Wir nutzen die Zeit, die wir miteinander haben. Wer weiß wie lange wir uns noch aneinander erfreuen können."
Rahjania war ehrlich betrübt und jeder konnte es in ihrem Gesicht sehen. Worte waren in dieser Situation überflüssig. Abwesend biss sie sich auf die Unterlippe und wartete ... dachte nach. „Wie schade.“ Als wären sie alte Bekannte, bedeutete sie den beiden Verliebten sich zu erheben, vereinte deren Hände und legte die ihren darauf. In Gedanken sprach ein kurzes Gebet, welches in den beiden ein leicht wohliges Gefühl hervorrief. „Mal sehen, erst müssen die Formalitäten erledigt werden, dann werde ich die Herrin um Rat fragen. Es wird einen Weg geben“
"Formalitäten ... ja ...", der junge Junker lächelte, "...ich denke nicht, dass es mehr als solche sein werden. Die Baronin bemüht sich schon länger um eine Geweihte und ganz im Vertrauen...", Feyenhold legte kurz seinen Zeigefinger auf seine Lippen, "...sie möchte keinen Balihoer Pferdezüchter als Hirte für diese Kapelle." Sidrat hatte sich allem Anschein nach schon wieder erholt. Sie gab ein mädchenhaftes Kichern von sich. "Die Baronin weiß um diesen Ort und seine Geschichte. Es sollte eine Geweihte oder ein Geweihter hier sein, der den Aspekt der Liebe zwischen Mann und Frau und die damit verbundene Leidenschaft verkörpert. Ihr versteht?" Der Welkensteiner wartete keine Antwort ab. "Was mich jedoch zu der Frage nach Eurer Herkunft bringt. Ihr habt erzählt, dass Ihr aus Fasar stammt und die Göttin Euch hier her geschickt hat. Doch erzählt mir mehr. Es gehört schon einiges dazu seine Zelte am anderen Ende Deres abzubrechen und hier in diesem rückständigen Teil Weidens die Herzen der Menschen für die schöne Göttin zu öffnen."
Rahjania nahm abermals Feyenholds Hand in ihre und sah ihm in die Augen. Blau das gefiel ihr und sie war wieder kurz davor, sich in Gedanken zu verlieren. "Oh ... hatte ich das nicht schon erzählt?" Ich bin im Namen der Göttin unterwegs. In meinem Heimattempel ... es geschah so plötzlich und ist für jemanden, der es nicht gespürt hat, wohl schwer zu begreifen, aber die Göttin hat zu mir gesprochen. In Bildern, doch konnte ich ihre Präsenz spüren. Ich war voller Glück und mein Geist schien frei und wie von meinem Körper gelöst. Als die Vision endete war es mir, als könne ich nicht atmen in der dicken, Rauchkraut-geschwängerten Luft meines Zimmers. Es war als hätte ich kurz in Rahjas Zelt blicken dürfen und wäre dann wieder in die harte Wirklichkeit zurückgestoßen worden. Ich sehne mich danach, ihr nocheinmal so nahe zu sein ... nicht einmal bei meiner Weihe konnte ich sie so stark bei mir ... in mir ... fühlen ... doch ich schweife ab."
Sie ließ seine Hand los und trank einen Schluck Wasser. "Ich wusste, dass ich gen Firun ziehen musste, um den Menschen dort Harmonie und Liebe nahe zu bringen. An einen IHR heiligen, aber vergessen erschienenen Ort. Wie von unsichtbarer Hand wurde ich hier her geführt ... und in mir wuchs die Sehnsucht nach dem mir Unbekannten beinahe täglich. Schaut ..." Sie öffntete abermals ihr Dekollete und zeigte ihre Rosentätowierung. "Erst war es nur die eine Blüte. Nach der Vision begann eine kleine Knospe daneben sich zu öffnen, nun ist sie der ersten an Größe und Schönheit ebenbürtig."
Der Junker hielt ihre Hand ohne Scheu und fand es fast schade, als sie diese wieder von ihm nahm. Er lächelte gönnerhaft. "Ja das habt Ihr mir schon erzählt. Es scheint so, als hätte Euch die Herrin auf unsere Gebete hin hier her geschickt." Just in diesem Moment erhob sich Sidrat von ihrem Stuhl und stellte sich demonstrativ hinter den Stuhl ihres Geliebten. Ihre schlanken Hände ließ sie auf seiner Brust ruhen. Es schien der Geweihten so als wolle die junge Adelige ihr Revier abstecken. Feyenhold beachtete dieses Gebaren jedoch nicht. Kurz streichelte er eine ihrer Hände, dann wandte er sich wieder der geheimnisvollen Tulamidin zu. "Doch wollte ich etwas über Euch selbst wissen. Seid Ihr eine Adelige, eine Grandentochter, oder vielleicht ein Findelkind?" Er lächelte. "Wo stammt Ihr ab, was war Eure Aufgabe im Tempel zu Fasar...solche Dinge eben."
"Oh, ach das interessiert dich. Das ist doch langweilig." Die Rahjani lehnte sich im Stuhl zurück und sah Sidrat tief in die Augen, ganz so als wolle sie in ihnen lesen. Freundlich und warm blieb dabei der Blick der Geweihten, auch wenn man sich in ihren dunklen, faszinierenden Augen verlieren konnte wie in den Tiefen eines ruhigen Bergsees, oder den Sternen am schwarzen Nachthimmel. "Hab keine Sorge ... zu mir kann kommen wer es selbst will ... ich nehme ihn dir nicht weg." Dann löste sie den intensiven Blickkontakt und begann zu erzählen. "Ich stamme aus einer armen Famile und habe zwei Dutzend Geschwister, die allerdings nicht alle so alt geworden sind, wie ich es bin. Man gab mich, als ich alt genug war in den Rahjatempel. Wohl wegen meiner Augen." Sie schmunzelte vielsagend. "Es gab nie Probleme dort, ich fühlte mich sofort wie in einer Familie. Ich verbrachte Kindheit und Jugend im Tempel und die Shanija Raschanjia war mir wie eine Mutter, allerdings war ich als Novizin bloß eine niedere Dienerin der Göttin und der Erhabenen. Der Kult in Fasar ist auch etwas anders, als der hier im Norden. Rahja wird als Kriegerin verehrt - Radscha Uschtammar, die Rote Schwester, oder auch kämpfende Rahja in eurer Zunge, die mit ihrem Speer und an der Seite Feqz gegen die Feinde der Schöpfung kämpft. In der Ekstase kommen wir ihr am Nächsten. Blut, Lust und Schmerzen sind die bevorzugten Opfergaben."
Feyenhold nickte zufrieden. "Ja genau das meinte ich. Interessant." Sidrat nahm Rahjania jedoch nicht aus ihren Augen. Kurz schob sie ihre Brauen zusammen, ganz so als würde sie abschätzig auf das eben gesagte reagieren. Erst als der Junker eine ihrer Hände nahm und sie mit einem Kuss auf den Handrücken bedachte, schien sie sich zu entspannen. "Durch das Reden kommen die Leute zusammen", fügte er dann lächelnd hinzu. "Hat meine Mutter immer gesagt und damit Ihr auch etwas über mich erfahrt ...", der junge Ritter räusperte sich, "... ich bin in der schwarzen Sichel aufgewachsen - auf dem Edlengut meines Vaters. Meine Mutter war eine Welkensteinerin. Nach dem Schlachtentod meines Vaters in der Wildermark, wollte mich meine Mutter bei den weidener Verwandten in Herzoglich Dornstein die Ausbildung beenden lassen. Die hatten jedoch was anderes mit mir vor." Feyenhold brach ab und zuckte mit den Schultern. "Wollten wohl irgendwie zurück an die Baronswürde Weidenhags kommen und ich war als letzter direkter Abkömmling der Baronslinie eben der mit dem größten Anspruch gewesen. Sie wollten mich also gewissermaßen entführen, dabei ist aber meine Mutter gestorben und ein überlebender Waffenknecht hat mich beschützt und dann eben nicht zu den Welkensteiner Verwandten, sondern zur, in ihren Augen, verfeindeten Baronin von Weidenhag gebracht. Dort am Hof habe ich meine Ausbildung beendet, Sidrat, ebenfalls Knappin am Baronshof, kennen gelernt und dann die Stammburg meiner Familie übertragen bekommen." Der junge Welkensteiner lächelte, obwohl es ansich dieser wilden Geschichte etwas unpassend schien. "Scheint als hätten die Götter nicht nur mit Euch unvorhergesehene Pläne gehabt."
Der junge Junker setzte sich seinen Kelch an die Lippen, nahm einen Schluck und fuhr dann fort. "Da sitzen wir also nun; Ihr eine Geweihte vom anderen Ende Deres, ich ein Knabe, der eigentlich hätte eine Marionette sein sollen und meine Liebe Sidrat, deren Familie die meine beinahe ausgelöscht hatte. Die Götter haben schon einen seltsamen Sinn für Humor, meint Ihr nicht auch?" Er hob seine Brauen und nahm abermals einen Schluck. "Also von meiner Seite aus soll nichts gegen Euch als Geweihte sprechen. Ich werde einen Brief an den Metropoliten aufsetzen lassen und wir werden Gwidûhenna einen Antrittsbesuch abstatten. Was meint Ihr?"
Welkenstein ... Weidenhag ... für Rahjania klang alles recht ähnlich, zudem war es verworren und so ganz war sie nicht mitgekommen, warum nun die eine Familie die andere umbringen wollte. Nur, dass zwei junge Liebende dazwischen standen war ihr klar. "Ja, da bin ich dafür. Aber verzeih, nochmal in einfachen Worten. Du bist ein Welkensteiner, wie Gwidûhenna auch? Sidrat ist eine Weidenhagerin? Und warum wollten die dich töten, wenn du doch bei ihnen aufgewachsen bist?" Sie war verwirrt. Ihre Welt war in ihrer Art einfacher, auch wenn man ihr immer wieder gesagt hatte, sie möge sich doch mehr für die Politik interessieren, war der Tempel der Radscha Uschtammar in Fasar doch sehr einflussreich und mächtig . "Gibt es einen Vorschlag, wie man den Zwist beseitigen könnte? Vielleicht einen, bei dem ich helfen könnte? " Wahrscheinlich war es wohl besser, erst mit Gwidûhenna zu sprechen und die Kapelle zu sehen, bevor sie sich daran machte dieses Problem zu lösen.
Feyenhold und Sidrat mussten beide schmunzeln. "Nein, nein ...", theatralisch schüttelte der Junker seinen Kopf, "... manchmal vergesse ich, dass es für Menschen von Auswärts nicht so einfach zu verstehen ist. Ich bin ein Welkensteiner - bis 945 BF stellten wir die Barone von Weidenhag. Dann wurden wir jedoch entlehnt und ein Abkömmling der Familie Gugelforst aus dem damaligen Darpatien als neuer Baron eingesetzt. Meine Ahnen wollten den Thron jedoch nicht freiwillig räumen und so kam es zur Fehde mit der Familie Gugelforst, der nun auch Gwidûhenna als jetzige Baronin abstammt. Zu ihren Verbündeten zählte damals auch die Familie Dûrenwald, die Landvögte der Nachbarbaronie Herzoglich Dornstein. Die aktuelle Erbin dieser Familie ist Sidrat." Feyenhold bedachte seine Geliebte mit einem Seitenblick und lächelte sie sanft an. "Der Zwist ist gerade dabei zu heilen, wenn Ihr so wollt. Die Baronin hat nun erstmals den Dialog zwischen den Parteien gesucht und mir vor einigen Götterläufen unsere Stammburg zurückgegeben, die ihr Urgroßvater uns mit Waffengewalt genommen hatte. Auch wenn das meinen Dornsteiner Verwandten nicht reicht, ist es meiner Meinung nach ein guter Schritt in die richtige Richtung gewesen. Die Zeit wird es heilen, so wie alles. Hoffe ich ... wir zumindest."
Rahjania ging kurz in sich ... versonnen, ahnend? "Wir sollten mit Gwidûhenna sprechen. Sie scheint vernünftig zu sein. Vielleicht lässt sich der Streit ja irgendwann beenden." Sie lehnte sich wieder in ihren Stuhl zurück - allem Anschein nach war sie zuversichtlich. "Können wir morgen oder übermorgen zu ihr? Ich will jedoch vorher noch den Tempel sehen. Es wird wohl noch einiges zu tun sein, doch heute bin ich müde." Unschuldig sah sie ihre Tischpartner an. "Rahjanis brauchen ihren Schönheitsschlaf, außerdem möchte ich zur Göttin beten." Die Geweihte zog ihr Kleid und ein Tuch enger um sich, die hier herrschende Kälte war sie nicht gewohnt und sie fürchtete jetzt schon, dass sie sich nur schwer daran gewöhnen würde. Sie war hier eine Exotin, gleich einem Paradiesvogel, der zu Amseln zog. Aber es war der Wille der Göttin. Das konnte sie spüren.
"So sei es. Wir werden morgen aufbrechen." Feyenhold nickte ihr bestätigend zu. "Wenn wir bei Sonnenaufgang aufbrechen sollten wir am Abend wieder zurück sein." Er wandte sich um. "Sanya Feyalda. E'fey, varra lu'torm", sprach er in einer ihr fremden Sprache. An den Tisch heran trat ein etwa 17 Sommer junges Mädchen, das leicht angespitzte Ohren hatte. Sie verbeugte sich kurz. "Feyalda wird dir dein Zimmer zeigen. Ich werde veranlassen, dass es ordentlich geheizt wird und der Kamin auch über Nacht betrieben wird." Der Junker lächelte seinem Gast gönnerhaft zu. "Euer Gefährte wurde bei den Waffenknechten einquartiert. Es wird ihm an nichts fehlen, aber nur so haben wir aber ein Auge auf ihn."
Rahjania hatte die anderen Anwesenden ausgeblendet und betrachtete fasziniert das wohl halbelfische Mädchen. Was für betörende Schönheit diesem Volk in die Wiege gelegt wurde und wie sich ihr Denken doch von dem der Menschen unterschied. Sie hatte noch nicht viele Elfen gesehen, jedoch wusste sie, dass das alte Volk ihre Umgebung wohl völlig anders wahrnahm als die Menschen - in harmonischen oder dissonanten Melodien und oft ließen sie sich in ihrem Tun von einer Art der Intuition leiten, die irrational erschien, jedoch auch ihrem Wesen entsprach. Sie freute sich darauf, hier in Weiden mehr über dieses Volk zu erfahren.
Der Hag, Baronie Weidenhag, der Tag darauf
Es war nicht weit von Burg Welkenstein hin zum Baronsitz Weidenhag. Den Weg von Wargentrutz hin nach Dûrenbrück kannte die Tulamidin bereits, auch wenn sie im Beisein von Feyenhold nicht direkt durch den Wargenforst ritten, sondern den dunklen Forst umkreisten, was die Wegzeit der kleinen Gruppe in etwa verdoppelte. Immer wieder erzählte der junge Junker seinem fremdländischen Gast von den Wundern und Mythen, die diesen Wald den Volksglauben nach umgeben sollen; von der Sage von Perdan und Alari, elfischen Schlössern und hochelfischen Relikten. Und auch von einer Hüterin, die ihre Wolfskreatur auf all jene los ließ, die es wagten ihr Reich zu betreten, weswegen der Forst von den guten Menschen der Baronie weitestgehend gemieden wird.
Bei der Dergelbrücke im Dorf Dûrenbrück trennten sich Feyenhold, Rahjania und deren Waffengefolge, bestehend aus zwei Waffenknechten, von Sidrat und ihrer Bedeckung. Die junge Edeldame ritt von hier aus den Dornstieg weiter den Dergel entlang zum Dorf Südhag und über die dortige Brücke über das Dornenwasser weiter nach Dornstein, wo ihre gestrenge Mutter wohl schon auf sie warten würde. Rahjania, die bisher hinter den beiden Adeligen geritten war, schloss nun zum Junker auf und ritt an seiner Seite. Der junge Welkensteiner saß auf einem großen, weißen Svelltaler Kaltblut, dessen Mähne kunstvoll zu vielen kleinen Zöpfen geflochten war und war gewandet in Kettenhemd und Kleidung aus Hirschleder. An seiner Seite hing ein Langschwert.
Von Dûrenbrück und dem Rand des Dûrenwaldes an erhöhte die Gruppe ihr Tempo. Der gut ausgebaute Hagweg, eine Handelsstraße, die von Nordhag bis nach Reichsweg und der dortigen Reichsstraße 1 führte, ließ es zu die Rösser in einen leichten Trab fallen zu lassen. Man passierte das Wehrkloster Sankta Permine, die Düsterfurt und das Dorf Pergelfurt. Auch hier zeigte sich der Junker redseelig und gab die Geschichte der regionalen Heiligen Permine wieder - einer von der Gicht geplagten Frau, die hier im Wasser der Furt die Gnade der Heilung erfahren haben soll und der Herrin Peraine dann ein Kloster errichtet hat. Alleine und mit ihren eigenen Händen - ein Gedanke, den Rahjania beim Anblick der wehrhaften Klosteranlage gelinde gesagt albern fand.
Nur wenig später erreichte die kleine Gruppe das Dorf Weidenhag, den Hauptort der gleichnamigen Baronie. Bereits an der Palisade hatten die hier dienenden Waffenknechte Feyenhold herzlich begrüßt und auch Rahjania wurde, nach kurzen Momenten der Verwunderung, standesgemäß in Empfang genommen. Im Dorf selbst fanden sich vor allem Häuser aus Fachwerk und alles in allem wirkte der beschauliche Hauptort der Baronie als außerordentlich geschäftig. Das Herz Weidenhags bildete der, von einer Bruchsteinmauer umgebene Hag. Hier befand sich, so erklärte es Feyenhold, der weltliche, geistige und militärische Mittelpunkt der Baronie; der Baronssitz, der Tempel der Travia und die Unterkünfte von Waffenknechten und Dienstrittern der Baronin. Doch auch das einzige Gasthaus des Dorfes befand sich hier innerhalb der Mauern dieses Baronssitzes, weshalb man stets auch viel einfaches Volk antreffen konnte.
Der Grund für das Kommen der kleinen Gruppe wurde jedoch schon recht bald ausgemacht. Gerade als sie auf den Hof des Hags ritten, konnte Feyenhold seine Lehnsherrin ausmachen. Bei den Ställen stand sie, gewandet in enge Lederkleidung mit Fellbesatz, hohe lederne Stiefel und mit ihrem Blaufalken am behandschuhten Arm. An ihrer Seite standen ihr Gemahl Gorfried, in die Kleidung aus Bausch und Leder gewandet, mit Bogen auf dem Rücken und einer Meute Jagdhunde an seiner Seite. Auch zwei Waffenknechte, wohl Jagdhelfer, machten sich bereit. Die Baronin und ihr Anhang waren wohl gerade dabei zur Jagd auszureiten.
"Feyenhold ...", es dauerte nicht lange bis die Ankunft des Junkers und seiner Begleiter bemerkt wurde, "... wie schön." Die Baronin war an sie heran getreten und begrüßte den Junker mit einer kurzen Umarmung. Ihre rabenschwarzen Haare trug die Gugelforsterin offen und ihre blauen Augen blitzten Rahjania neugierig an. "Gwidûhenna von Gugelforst, Euer Gnaden ...", begrüßte die Herrin der Weidenhager Lande ihren Gast aus dem fernen Süden, dann ging ihr fragender Blick zurück auf Feyenhold.
"Henna, das hier ist ihre Gnaden Rahjania. Wir kommen wegen der Kapelle in Wargentrutz."
Gwidûhenna lächelte wissend, wandte sich dann jedoch der Geweihten zu und überging damit die Aussage ihres Lehnsnehmers. "Wart Ihr schon einmal auf der Jagd, Euer Gnaden? Ich denke wir haben einiges zu besprechen."
Umland des Dorfes Weidenhag, später
Ah, da war sie nun endlich ... die Herrin über dieses fremde Land. Als kleines Mädchen hätte sich Rahjania nie ausmalen können, in was für exotische Gefilde es sie einmal verschlagen würde. Bis auf ein paar Kleinigkeiten war jedoch vieles genauso wie sie es aus den sagenhaft anmutenden Erzählungen der Haimamundim kannte, die sie ab und an über den Norden des Kontinents zu hören bekam. Sie freute sich bereits jetzt darauf, ihrer Freundin Radschanya in Fasar davon zu berichten. Vielleicht erlaubte die Shanjia Raschanjia gar einen Besuch? Ihre ersten Tage in Weiden wirkten fremd und anziehend zugleich und ließen die Vorfreude in ihr steigen.
Rahjania entschied sich dann dazu das Gespräch mit Gemeinsamkeiten zu beginnen. „Hochgeboren, nein, ich wäre bei einer Jagd wohl nur eine Last für Euch, da ich zu auffällig gekleidet bin und keine Jagdwaffe führen kann.“ Bevor ihr Blick sich versonnen in den prachtvollen Pferden verlieren konnte, sprach sie freundlich weiter. „Dennoch ist mir die Jagd mit dem Greifvogel nicht gänzlich fremd, auch ich bisher erst einmal dabei zusehen konnte. Ich begleite Euch gerne und vielleicht könnt Ihr mir währenddessen erklären, warum ein so freies Geschöpf wie ein Falke, wenn er in den Lüften den warmen Wind unter den Flügeln spürt und seine klauen in die Beute geschlagen hat, zu seinem Besitzer zurückkehrt, der doch wie gefesselt am Boden zurückbleibt. Ich bin mir sicher, dass daraus eine interessante Unterhaltung entstehen könnte.“
Gwidûhenna lächelte der Tulamidin zu. "Seid unbesorgt. Ihr müsst keine Waffe führen. Wir wollen uns nur unterhalten ...", ihr Blick ging hinüber zu den Waffenknechten, die gerade dabei waren aufzusatteln, "... fürs Kämpfen haben wir andere." Sie zwinkerte Rahjania zu, dann entfernte sie sich einige Schritte und nahm den Zügel ihres Pferdes von einem Stallknecht entgegen. Es war dies ein wunderschöner Glanzrappe mit schneeweißen Fesseln und langer schwarzer Mähne, die zu einem wahren Kunstwerk geflochten war. Rahjania wusste, dass der Flechtstil "drei-reihiger Wasserfall" genannt wurde und extrem aufwendig war. Auch der Schweif war im Stil des "Schlangenschweifs" geflochten. Es musste mehrere Stundengläser gedauert haben, das beeindruckende Haar des Tieres in diese Form zu bringen. Der kundige Blick der Rahjageweihten erkannte auch, dass der Sattel von edelster Machart war und genauso wie die goldene Satteldecke bestickt mit roten Wölfenaus Samt teuer gewesen sein musste.
"Was die Freiheit des Falken angeht ...", die Gugelforsterin wandte sich, an der Seite ihres Pferdes angekommen noch einmal zu ihrem Gast um, "... das ist eine interessante Frage. Vielleicht ist es jene Loyalität, die wir unseren Familien oder einem Orden entgegen bringen. Warum seid Ihr denn über den halben Kontinent hier her gereist?" Sie hob ihre Brauen und sollte keine Antwort abwarten. In einer eleganten Bewegung schwang sich die Baronin stattdessen in den Sattel und bedeutete Rahjania und zwei Waffenknechten dann ihr zu folgen. Als die Gruppe vom Anwesen ritten, bemerkte die Geweihte, dass sie sich teilten. Feyenhold ritt gemeinsam mit Gwidûhennas Gemahl Richtung Süden, während die Baronin mit ihrem Gast und zwei Waffenknechten den Weg Richtung Norden einschlug. Überall im Dorf wo sie vorbeiritten flogen der Baronin die Herzen der Menschen zu. Männer nahmen ihre Kopfbedeckung ab, Frauen knicksten. Vereinzelt hörte Rahjania gar "hoch"-Rufe von einfachen Leuten, die ihrem Tagwerk nachgingen. Einmal näherte sich gar ein kleines Mädchen und reichte Gwidûhenna eine selbst gepflückte Blume, die sich die Baronin nach einigen Worten des Dankes kurzerhand in ihr rabenschwarzes Haar steckte.
Als die kleine Gruppe aus dem Tor der Palisade ritt, eröffnete die Herrin von Weidenhag wieder das Gespräch. In diesem Moment mochte Rahjania eine Heldin aus einem Tulamidischen Märchen in der Baronin erkennen, wie sie auf ihrem nachtschwarzen Pferd saß, selbst edel in schwarz gekleidet und mit langer schwarzer Mähne, die im leichten Wind flog. "Hier können wir unbeschwert reden." Gwidûhenna lächelte aufmunternd. "Es ist ein Segen, dass Ihr hier seid, Euer Gnaden. Schon länger liege ich der Kirche der Schönen Göttin in den Ohren, sie mögen doch eine Geweihte oder einen Geweihten nach Wargentrutz entsenden. Wir haben die Kapelle dort wieder errichtet und es bedarf der Präsenz der Göttin in der Form einer ihrer Diener. Doch erzählt mir. Ich sehe sofort, dass Ihr von weit her kommt. Warum jetzt? Und warum Weiden?"
Artig trug Rahjania die Geschichte vor, wie sie es auch gegenüber Feyenhold schon getan hatte. Von ihrer frühen Kindheit in ihrer großen Familie in Fasar, ihrer Zeit im Tempel, der Vision und schließlich über ihre Reise hierher nach Weiden. Es war offensichtlich, dass man sich darüber wohl noch etliche Stunden lang würde austauschen können, doch versuchte die Geweihte, ihre Schilderungen auf das Wichtigste zu beschränken und sich nicht in zu vielen Einzelheiten zu verlieren. „Ihr seid recht beliebt und habt eine gute Hand mit Pferden. Wie heißt der Eure?“
Rahjania selbst ritt eine kleine Tulamiden-Fuchsstute, die viel von einem Vollblut hatte und von Rahjania nahezu ohne Zügelhilfe geritten wurde. Wach und neugierig sah das Pferd sich um und hielt die Ohren gespitzt. Der Baronin war aufgefallen, dass die Tulamidin zu ihr bisweilen in einer unbekannten Sprache flüsterte und sie dabei immer wieder mit der Hand berührte. Die beiden hatten sicher eine besondere Beziehung zueinander, doch war das bei Rahjanis wohl oft der Fall. „Ich freue mich auf den Tempel. Dies wird meine Heimat.“ Zuversichtlich ohne den Hauch eines Zweifels wartete sie auf die Antwort Gwidûhennas.
"Baron heißt ... er", gab Gwidûhenna dann zu verstehen. "Ich habe ihn als Fohlen geschenkt bekommen." Die Baronin lächelte. "Als ich Rommilys in Richtung Weiden verlassen hatte und zu meiner Familie zurückgekehrt bin. Ein Abschiedsgeschenk sozusagen." Gwidûhenna dachte oft und gerne an ihre Zeit in der großen Stadt Rommilys, in welcher sie die erste Hälfte ihres Lebens verbrachte. "Tempel ... naja ... sagen wir Kapelle", nach ein paar Herzschlägen des Schweigens änderte sie das Gesprächsthema hin zum eigentlichen Grund für ihr Zusammentreffen, "ich werde ehrlich mit Euch sein. Es freut mich, dass Ihr hier seid und eure Geschichte zeigt mir, dass es wohl auch der Wille der Göttin ist. Dem werde ich mich auch nicht entgegen stellen." Kurz schien es als wollte die Herrin von Weidenhag damit enden, als sie noch einmal nachsetzte." Es ist Euch aber hoffentlich klar, dass Weiden nicht Fasar ist. Die Menschen hier sind ... anders." Sie stockte und es schien Rahjania als suche sie nach den richtigen Worten. "Sie können mit dem Rahjaglauben, wie er in Fasar praktiziert wird, nichts anfangen. Die Riten der Roten Schwester liegen ihnen fern und ein Abbild der schönen Göttin als Kriegerin würde die Menschen hier im Land Rondras wohl verstören. Aber ich bin mir sicher Ihr findet einen Weg in ihre Herzen."
Die Geweihte ließ sich ein paar Takte im Schritt ihrer Stute wiegen. Als sie antwortete, war sie ungewohnt ernst. „Ich habe das Volk hier auf der Reise ein bisschen kennen lernen dürfen. Es wird eine Herausforderung, deshalb bin ich hier. Rahja ist ihnen fern oder nicht geheuer. Ich werde neue Aufgaben finden, ungewohnte ...“, wieder wartete die Tulamidin ein paar Tritte ab, ihre Stute schnaubte und ihr Halsmuskel zuckte, um ein blutsaugendes Ärgerniss zu vertreiben. „Eines nach dem anderen, zuerst muss ich mich um die Kapelle und die Rosen kümmern. Es wird dauern, bis die Menschen mich akzeptieren, aber ich werde für sie da sein ... und irgendwann werden sie ihre Scheu verlieren und wenn ich geduldig bin, werde ich irgendwann jemanden treffen, der die Göttin so verehrt, wie ich es gewohnt bin.“
Gwidûhenna musste beim letzten Satz der Geweihten unwillkürlich lächeln. "Was das angeht könntet Ihr sogar Glück haben ...", sie hob vielsagend ihre Augenbrauen, "... die Familie Welkenstein, in deren Lehen sich die Kapelle befindet ist wohl die eine Sippschaft der Mittnacht, die Rahja auf eine Euch ähnliche Art und Weise verehrt. Ihr wart doch in ihrer Burg?" Die Baronin musste beim kurzen Gedanken daran was wohl ihre Tante Travine dazu sagen würde, wenn sie die alten Gemäuer der Welkensteiner betreten würde, glockenhell auflachen. "Bitte entschuldigt ...", sogleich errang sie wieder ihre Fassung, "... die Welkensteiner denken ja, dass ihre Familie nur durch Rahjas Gnade existiert. Ich denke eine Geweihte wie Ihr es seid, ist ein Geschenk für den jungen Feyenhold."
Rahjania lächelte die Baronin lieb und wissend an. "Ach, Feyenhold ... hübscher Knabe. Doch hat er die Seine wohl schon gefunden. Zwischen ihm und seinem Glück steht keine Scheu und kein Unvermögen, sondern etwas ganz anderes, bei dem ich ihm gerne helfen will." Auf einer flachen Stelle verfiel die Gruppe in Trab, die Pferde schnaubten ungeduldig, denn anscheinend war ihnen der Weg nicht fremd. Im Leichttrab sprach sie weiter zu Gwidûhenna. "Versteht mich nicht falsch ... ich will den Menschen hier die Gnade der Göttin nahe bringen ... wie auch immer das aussehen wird und wie ich es am besten angehe, hängt von meinen Eindrücken ab, die ich wohl erst gewinnen will. An meinem Willen soll es nicht scheitern."
Ein Stück trabten sie schweigend nebeneinander her. Rahjanias Stute schien sich dabei mit `Baron` messen zu wollen, sie schnaubte und verlangte nach mehr Freiheit am Zügel, doch ließ sich die Tulamidin nicht beirren. Etwas leiser sprach sie zu Gwidûhenna. "Alles ist gut, wie es ist, Rahja hat mir Harmonie und Freude geschenkt, doch ... manchmal, selbst wenn es noch in der weiter Ferne liegen mag, werde ich jemanden brauchen, der meinen Glauben versteht." Sie sah die Frau neben sich an und hoffte, dass sie verstehen würde. "Es liegt in meiner Natur und ich weiß, dass mich die Göttin mit meiner Aufgabe hier in Weiden auf ihre Art prüfen will, doch hoffe ich dennoch, dass hier nicht vereinsamen werde."
Gwidûhenna schüttelte kurz den Kopf. "Eure Schönheit hat wahrscheinlich nicht jene Wirkung, die sie in Fasar hatte. Hier...", die Baronin wies in einer weitläufigen Handbewegung um sie, "...werdet Ihr von den Menschen auch auf Basis anderer Eigenschaften bewertet. Packt an, helft den Menschen und versucht sie zu verstehen. Das Leben hier ist ein Kampf. Ein Kampf gegen die Unbilden des Landes - seien es nun die Orks, Drachen, oder der karge Boden, dem man vielerorts kaum genug abringt um sich und seine Lieben satt zu bekommen."
Sie lächelte aufmunternd. "Aber auch hier fröhnen die Menschen Rahjas Gaben, auch wenn ihr Zugang dazu vielleicht ein anderer sein mag als im Süden. Die Weidener sind ein geselliges Volk. Sie feiern gerne, der Adel ladet zu manch fröhlichem Gelage, sie lauschen der Kunst von Barden und Bänkelsängern und verlieren sich oft einmal in der ritterlichen Minne. Anders als in den großen Städten des Südens ist das Leben hier jedoch kein der Göttin gefälliges ... ewiges Fest. Der Weidener kennt und fröhnt den Gaben der schönen Göttin, doch ist ihm wohl bewusst, dass diese hinter dem Tagwerk anzustehen haben." Gwidûhenna tippte sich theatralisch auf ihr Kinn. "Wobei ... die Balihoer dem vielleicht nicht gänzlich zustimmen mögen, aber hier in der Heldentrutz kann ich das auf jeden Fall so unterschreiben." Die Baronin setzte ihr Pferd wieder in Bewegung und wartete bis Rahjania es ihr gleich tat. "Die Sage von Perdan und Alari erzählt uns, dass Rahja einst selbst diesen Ort, Wargentrutz, gewählt hat. Hier soll sie sich den Gründern der Familie Welkenstein offenbart haben. Das Monument dafür steht für uns alle sichtbar im Dorf. Und wenn die Göttin diesen Ort erwählte und Ihr von der Göttin erwählt wurdet diesen zu behüten, dann bin ich überzeugt davon, dass sich alles in Wohlgefallen auflösen wird. Auch wenn es Euch wie eine große Prüfung erscheinen mag."
Rahjania lachte herzlich und befreit, als sie in eine schnellere Gangart wechselten. Sie liebte es, den Wind in den Haaren zu spüren und die Kraft des Pferdes unter sich. "Keine Sorge, Hochgeboren, die ersten Jahre meines Lebens habe ich in einem Elendsviertel in Fasar verbracht, dort werden die wenigsten Kinder verhätschelt..." Übermütig sah sie zu ihrer Begleiterin hinüber. "Meine Eltern waren gute Menschen, sie haben mich in den Tempel gegeben und nicht in ein Bordell, was ihnen wohl die ein oder andere Münze eingebracht hätte ... Wo ist eigentlich euer Greifvogel?"
Gwidûhenna pfiff und wie auf Kommando stieß ihr Blaufalke einen langgezogenen Schrei aus. Die Baronin wartete einen Moment bis sich das edle Tier auf ihrem behandschuhten Arm niederließ. "Seid einfach Ihr selbst und unterstützt die Menschen in ihrem Tagwerk. Integriert Euch und bringt Euch ein. Versucht die Menschen in ihrer Lebensweise zu verstehen. Nur zu meinen, dass diese hart arbeiteten, frommen Menschen zurückgeblieben seien und nicht den nötigen Intellekt oder Lebenssinn aufbringen um die Gaben Rahjas zu würdigen, ist auf jeden Fall der falsche Ansatz und Ihr würdet ihnen damit auch unrecht tun." Die Baronin winkte ab. "Nicht, dass ich Euch so ein Denken unterstelle, aber schon viele Menschen aus südlicheren Gefilden begegneten meinen Schutzbefohlenen mit eben jenem Maß an Arroganz und Verständnislosigkeit."
"Macht Euch nicht so viele Sorgen, Baronin. Ich folge meiner Intuition und dem Willen der Göttin." Sollte sie den Platz im Tempel erhalten und wären die gröbsten Arbeiten erledigt, würde Rahjania Gwidûhenna ab und zu besuchen. Sie schien Bestätigung und Sicherheit zu brauchen, wahrscheinlich hatte sie schlechte Erfahrungen mit Fremden gemacht. "Sie hat hier Wunder gewirkt und die Menschen hier tragen sie bestimmt in sich. Oft reicht es sie bei der Hand zu nehmen und es ihnen zu zeigen."
"Schön, dass Ihr so denkt ...", die Gugelforsterin zwinkerte der Tulamidin fordernd zu und gab ihren Blaufalken frei. "Rahjianis sagt man ja einen besonderen Umgang mit ihren Pferden und große Reitkünste nach ... wie ist es um Eure Reitkünste bestellt?" Die Herrin Weidenhags sollte keine Antwort abwarten. "Kommt!", frech lächelnd ließ sie ihr Pferd steigen und preschte davon.
Dorf Wargentrutz, ein paar Tage später
Rahjania atmete erleichtert aus. Endlich, so fühlte die junge Tulamidin, hatte sie das Ziel ihrer weiten Reise erreicht. Mit einer sanften Geste befahlt sie dem Fasarer Tempelgardisten stehenzubleiben und auch sie zügelte ihre rassige Stute am Eingang des Dorfes Wargentrutz. Unvoreingenommen schweifte ihr Blick über das, was sich ihr hier bot. Mittlerweise war sie die weidener Landschaft gewohnt und hatte auch schon einige der hiesigen Dörfer gesehen. Dieses hier unterschied sich auf den ersten Blick nicht wirklich von den anderen. Ein paar Häuser innerhalb eines hölzernen Palisadenzaunes und Menschen, die in praktische und robuste Kleider gewandet waren und wohl hauptsächlich ihr Tagwerk als Bauern und Viehzüchter bestritten. Im Zentrum, nahe des Dergelflusses, befand sich ein größerer Fachwerkbau, welcher als Pilgerherberge und Gasthof Rosenhügel bekannt war und auf einem kleinen Platz gegenüber der Kapelle mit Statue und heiligen Rosen zu finden war. Außer ihrem archaischen Begleiter Assaf aus Fasar war noch ein anderer Mann an ihrer Seite. Feyenhold, der Junker dieser Lande und wohnhaft in der Burg über dem Dorf auf der anderen Seite des Flusses, sollte ihr dieser Tage nicht von der Seite weichen.
Rahjania schob die Kapuze ihres roten Wollmantels zurück und zog ihre Brauen hoch. Sie wandte sich an den blonden Jüngling zu ihrer Linken. "Feyenhold, mein Lieber, ich glaube, es ist an der Zeit, dass du mich unseren Schützlingen vorstellst." Ihr Blick ging über die sich langsam versammelnden Menschen der Siedlung. Eine Frau wie sie erregte hier wohl einiges an Aufsehen. "Schau doch, sie tuscheln und rotten sich unsicher in einem Haufen zusammen."
Den neugierigen Blicken begegnete sie mit einem sanften Lächeln und winkte ihren Schäfchen generös zu. Nur zu gern würde sie wissen was durch die Köpfe der Wargentrutzer gehen mochte. Viele von ihnen kannten wohl gerade einmal die unmittelbare Umgebung und vielleicht das eine oder andere Dorf in einer Nachbarbaronie. Nicht viele hier hatte wohl zuvor schon eine Tulamidin gesehen. Die junge Geweihte musste bei dem Gedanken daran lachen, dass man ihr vor wenigen Tagen in Pergelfurt ein Bad angeboten hatte, hielt man ihren kupfernen Hautton wohl für den Staub der Straßen. Sie wusste die Geste zu schätzen und hegte keinen Groll. Die Menschen hier waren unwissend, in vielerlei Hinsicht wie Kinder, doch immerhin begegnete man ihr mit vorsichtigem Respekt und Hilfsbereitschaft. Es würde Rahjanias neue Heimat werden und wenn ihre Zeit hier hielt was die ersten Tage versprachen, dann würde sie sich hier mit einer herausfordernden, aber erfüllenden Aufgabe konfrontiert sehen.
Fin