Weidensch zeichnet sich als Dialekt des Garethi nicht etwa durch eine besondere Betonung oder Aussprache --- sprich: einen speziellen Zungenschlag --- aus, sondern vielmehr durch die Art der Worte, die verwendet werden. Für Menschen aus dem Herzen des Reiches muten diese oft altertümlich, manchmal sogar ein bisschen hölzern an. Wer nun vermutet, dass die Weidener nicht in der Lage wären, sich gewählt auszudrücken, irrt allerdings. Dass sie sich eines derart angestaubten Wortschatzes bedienen, liegt nicht an Fantasielosigkeit oder einem mangelnden Sprachverständnis, sondern in erster Linie am Einfluss der Barden: Anders als in vielen Provinzen des Mittelreichs beruhen die Überlieferung von Geschichte und weite Teile der Volksbildung auf einer ausschließlich mündlichen Tradition, die mehrheitlich seit Jahrhunderten gepflegt wird und daher auch entsprechend klingt.
Obwohl es sich bei den Weidenern als Schildländern um ein sehr kriegerisches Volk handelt, kommt die Konversation durch diese Besonderheit gelegentlich geradezu poetisch daher, der Wortschatz ist durchzogen von Begriffen, die andere Mittelreicher nur noch aus historischen Liedern, Gedichten oder Märchen kennen. Entsprechend blumig klingt das Weidensche gern einmal, das fällt besonders bei der Benennung von Landschaften und höheren Wesen wie Göttern und Feen auf, zum Beispiel, wenn Rondra als Siegschenkerin, Donnerkönigin oder Himmelsleuin bezeichnet wird oder Travia als Eidmutter. Im Alltag sind solche bildhaften Umschreibungen in den Bärenlanden sehr präsent.
Eine weitere Besonderheit des Weidenschen stellt die Vielzahl von elfischen Lehnwörtern dar, die über die Jahrhunderte immer weiter verschliffen wurden und bis heute vor allem beim Adel gebräuchlich sind. Die Wurzeln dafür liegen in der Zeit, als am Hof der Herrscher noch Isdira gesprochen wurde und es elfische Haushofmeister gab. Bis zu den Seneschalken, zu denen sich das Haus Weiden 168 vor Bosparans Fall aufschwang, hatte das Alte Volk einen großen Einfluss auf die Geschicke an den Adelshöfen der Bärenlande. Die elfische Sprache findet sich heute vor allem in den Namen von Landmarken wie Flüssen und Wäldern wieder. Ein gutes Beispiel dafür sind Finsterbach - Fialgralwa, Grünwasser - Awadir und Weißwasser - Gala'eril.
Geschrieben wird der Dialekt mit Kusliker Zeichen, allerdings sind Lesen und Schreiben in Weiden nicht sonderlich verbreitet, oftmals tun sich sogar Adelige damit schwer. An dieser Stelle schließt sich der Kreis wieder, denn das hat nicht zuletzt mit der Tradition des Bardentums und der mündlichen Überlieferung aller wichtigen Begebenheiten zu tun.
Beispiele aus dem Alltagsgebrauch
allenthalben: überall
angängig: möglich, erlaubt, zulässig
derohalben: deshalb
dortselbst: an dem bereits genannten Ort, ebendort
Fährnis: Gefahr
fatigant: lästig, langweilig
forthin: von nun an immer
Frouwe: Respektvolle Anrede für höhergestellte Frauen
fürwahr: in der Tat, wirklich, wahrlich
fürderhin: in Zukunft, zukünftig
getreulich: präzise, genau
gewisslich: ganz sicher
großjährig: Erwachsen
Hagestolz: älterer Junggeselle
Händel: Streit
Herre: Respektvolle Anrede für höhergestellte Männer
hinfort: künftig, weiterhin
jüngsthin: kürzlich, letztens
Kemenate: Kammer, Zimmer
kommod: bequem
Kurzweil: Zeitvertreib
Landplacker/Heckenreiter: Raubritter
Lustbarkeit: angenehmer Zeitvertreib
Maid: Mädchen, junge Frau
Meister/in: Respektvolle Anrede für Handwerker/innen, Wirt/innen
Mitnichten: Nein, Ablehnung
Mummenschanz: Maskerade, (alberne) Verkleidung
Nah: gedehnt für Nein
obsiegen: gewinnen
ridikül: lächerlich
schlankerhand: ohne Weiteres
schmuck: schmückend, Beispiel: ein schmuckes Kleid
spornstreichs: sofort
Stutzer: Geck, Schnösel
tunlich: ratsam, angebracht
verbollwerken: verbarrikadieren
vermaledeit: verwünscht, verflucht
wacker: Mutig, tapfer
wahrlich: in der Tat, wirklich
weidlich: sehr, gehörig
wohlfeil: günstig, im übertragenen Sinn aber auch: platt, abgedroschen
Wonne: Freude
zuvörderst: zuerst, in erster Linie
Beispiele für elfische Lehnwörter
Ach: Bach oder kleiner Fluss (von Isdira aha = schnell fließendes Gewässer)
Ai: Isdira für ja, wird vor allem vom Adel benutzt
Gala: Festtagsgewand, Pracht (von Isdira gala = golden/farbenfroh)
Hain: Wald (von Isdira: hainya = Wald der Blutbuchen)
Vana: Auenland (von Isdira: bana = Aue)
Beispiele aus Feld und Flur
Bangert: Obsthain
Born: Brunnen
Brok: Bruchwald/-land
Feste/Veste: Burg
Lug: Feuchtwiese
Hag: Waldstück, aber auch Wall/Hecke
Isen: Eisen
Rain: Waldrand/Rand
Reuth: Rodung/Lichtung
Rieth: feuchte, von Schilf oder Riedgras geprägte Flussniederung
Vehn/Fenn: Moor
Weiler: Dorf
Wog/Wazzar: See
Beispiele für Redewendungen
Einen Bären schießen: Einen Schnaps (Balihoer Bärentod) trinken
Einen Raben ins Haus holen: Etwas Leichtsinniges tun, dem Tod das Tor öffnen
Himmel, Ork und Wolkenbruch: Fluch
Hört, hört: Als Zustimmung, Bejahung und Bekräftigung
In den Blautann gehen: Sterben
Orkdreck: Fluch
Wohlschmecken: Guten Appetit