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Blütentreiben
Burg Schwarzenstein, Ingerimm 1033 BF
Thûan fügte eine kurze erzählerische Pause ein, um die Spannung zu steigern. Erwartungsvoll vorgebeugt harrte Dädalon auf die Fortsetzung. Thûan musste unwillkürlich lächeln. Er fuhr fort: "Es waren noch einmal zweieinhalb Jahre ins Land gegangen. Ich hatte einen kleinen Tross mit Steuereinnahmen bis ganz nach Baliho hinunter gesandt, da ich mir dort einen deutlich höheren Erlös beim Verkauf einiger Dinge versprach, meist Eisenwaren und Waffen. Herdan hatte den Tross zu leiten, aber irgendwo auf dem langen Weg unterwegs verbaselte er das Pergament, das ich ihm hatte mitgeben lassen und das belegte, dass er in meinem höchstbarönlichen Auftrag zum Zwecke der Steuerumwandlung in Münzen die mitgeführten Waren verkaufte. Die Reichsstadt Baliho besaß einen Vertrag mit den Nordmarken, der Nordmärker Händlern einen Exklusivverkauf bestimmter Waren zugestand. Aber auch darüber hinaus verkauften diese Händler noch Dinge und sahen es natürlich nicht gern, wenn Konkurrenz, zudem noch weit hergereiste, auf dem Markt auftauchte und durch das größere Angebot die Preise herabdrückte.
Mein Pergament war praktisch der Garant, dass meine Leute dort keinen Ärger bekamen, denn es besagt, dass wer Hand an meine Ware oder meine Leute legte, damit zugleich Hand an mich, einen ehrbaren Baron Weidens, gelegt hätte. Aber Herdan hatte diese Sache ja nun verbinsböckelt. Ohne das gesiegelte Schriftstück war der Ärger geradezu unvermeidbar, und so kam es dann mehr oder weniger auch. Muss ein ziemliches Gelächter gegeben haben, als Herdan – du weißt ja, er ist oft etwas theatralisch veranlagt – ganz großspurig mein Schreiben präsentieren wollte, aber das Ding dann nicht fand. Jedenfalls hatte Herdan – oder einige von meinen Leuten, Mantissa war da ja auch mit und die haut erst zu und fragt dann, wenn überhaupt – den Marktvogt anscheinend so sehr verärgert, dass dieser ihn daraufhin samt komplettem Tross vor die Stadtmauern bringen ließ und erklärte, dass er erst wieder etwas innerhalb der Stadt – inklusive der Bannmeilen drum herum – verkaufen dürfe, wenn er mein Schreiben vorlegen könne.
Da war guter Rat erstmal teuer, aber Herdan ist nicht dumm. Und gerade in brenzligen Situationen durchaus erfinderisch. Er dachte sich, dass Baliho eine große Stadt ist, da gibt es viele Leute und dementsprechend nicht nur viel Licht, sondern auch viel Schatten. Also ist er in Begleitung von Jana und Mantissa losgezogen und hinein in die übelsten Kaschemmen Balihos, um jemanden aufzutreiben, der ihm einen neuen barönlichen Schrieb anfertigt. Und die Drei hatten tatsächlich Glück. Schon einen Abend später hatte Herdan eine Verabredung in einer düsteren Gasse. Sein Gegenüber trug einen Kapuzenumhang und führte ihn, wohl um ihn zu verwirren, kreuz und quer durch enge Gassen und Hinterhöfe und schließlich zu einer Fälscherwerkstatt, wo die Gestalt fast wie ein Schatten verschwand, nachdem Herdan ihr die versprochenen sechs Silbertaler gegeben hatte.
Beim Fälscher selbst brauchte Herdan nur wenig Überredungskunst, denn der schien ziemlich betrunken und hatte wohl auch den Zoff Herdans auf dem Marktplatz mitbekommen, sodass er ihn schnell als glaubwürdigen Kunden akzeptierte. Herdan erklärte dem Fälscher, dieser hieß Aarfold, wie das Schreiben ungefähr aussah und was inhaltlich darauf geschrieben stehen musste. Herdan kann zwar nicht lesen, aber ich betraue ihn recht häufig mit Verkäufen und daher kannte er den Inhalt von den anderen Schreiben. Die Schrift spielte auch keine Rolle, da ich solche Schreiben nicht selbst aufsetze, wofür hat man schließlich seine Leute. Einzig das Siegel zählte. Nun, so einen gezinnten Turm mit einem Bergfels darunter bekommt scheint’s auch ein stark angetrunkener Fälscher noch recht einfach hin, jedenfalls soll es ziemlich echt ausgesehen haben, meinte Herdan.
Auch der Marktvogt hielt es für echt, und gab dem Verkauf wieder statt. Ich hätte diese Fälschung zugegebenermaßen auch gern mal gesehen, aber die hat der liebe Herdan auf dem Rückweg dann dem Feuer anvertraut, denn eigentlich sollte ich nichts davon erfahren. Herausgekommen ist die Sache aber dann doch. Amtsrat Chezlemrabdullah merkte nämlich, dass bei der Abrechnung etwas fehlte. Soviel Tierfutter, wie Herdan ihm angegeben hatte, konnten die Ochsen kaum gefressen haben und die Zölle lagen ebenfalls deutlich über dem, was für die anderen Trosse sonst immer angefallen war. Als ich Herdan dann zur Rede stellte, rückte er Stück für Stück mit der Wahrheit heraus. Ich musste ihm fast jedes Wort aus der Nase ziehen. Irgendwie tat er mir ja leid. Wie ein zusammengesunkenes Häuflein Elend stand er da, aber was er gemacht hatte, konnte ich ihm so natürlich nicht durchgehen lassen. Einerseits hatte er nur ein verlorenes Dokument wiederherstellen lassen, andererseits erfüllte es durchaus den Tatbestand einer Fälschung. Ich habe ihm also eine gehörige Standpauke gehalten und als ich ihn dann zu mehreren Wochen Schieferbruch verdonnern wollte, platzte er damit hervor, dass er durch diese Sache jedoch erfahren hätte, dass Baron Fenn den Herold hatte umbringen lassen."
Mein Pergament war praktisch der Garant, dass meine Leute dort keinen Ärger bekamen, denn es besagt, dass wer Hand an meine Ware oder meine Leute legte, damit zugleich Hand an mich, einen ehrbaren Baron Weidens, gelegt hätte. Aber Herdan hatte diese Sache ja nun verbinsböckelt. Ohne das gesiegelte Schriftstück war der Ärger geradezu unvermeidbar, und so kam es dann mehr oder weniger auch. Muss ein ziemliches Gelächter gegeben haben, als Herdan – du weißt ja, er ist oft etwas theatralisch veranlagt – ganz großspurig mein Schreiben präsentieren wollte, aber das Ding dann nicht fand. Jedenfalls hatte Herdan – oder einige von meinen Leuten, Mantissa war da ja auch mit und die haut erst zu und fragt dann, wenn überhaupt – den Marktvogt anscheinend so sehr verärgert, dass dieser ihn daraufhin samt komplettem Tross vor die Stadtmauern bringen ließ und erklärte, dass er erst wieder etwas innerhalb der Stadt – inklusive der Bannmeilen drum herum – verkaufen dürfe, wenn er mein Schreiben vorlegen könne.
Da war guter Rat erstmal teuer, aber Herdan ist nicht dumm. Und gerade in brenzligen Situationen durchaus erfinderisch. Er dachte sich, dass Baliho eine große Stadt ist, da gibt es viele Leute und dementsprechend nicht nur viel Licht, sondern auch viel Schatten. Also ist er in Begleitung von Jana und Mantissa losgezogen und hinein in die übelsten Kaschemmen Balihos, um jemanden aufzutreiben, der ihm einen neuen barönlichen Schrieb anfertigt. Und die Drei hatten tatsächlich Glück. Schon einen Abend später hatte Herdan eine Verabredung in einer düsteren Gasse. Sein Gegenüber trug einen Kapuzenumhang und führte ihn, wohl um ihn zu verwirren, kreuz und quer durch enge Gassen und Hinterhöfe und schließlich zu einer Fälscherwerkstatt, wo die Gestalt fast wie ein Schatten verschwand, nachdem Herdan ihr die versprochenen sechs Silbertaler gegeben hatte.
Beim Fälscher selbst brauchte Herdan nur wenig Überredungskunst, denn der schien ziemlich betrunken und hatte wohl auch den Zoff Herdans auf dem Marktplatz mitbekommen, sodass er ihn schnell als glaubwürdigen Kunden akzeptierte. Herdan erklärte dem Fälscher, dieser hieß Aarfold, wie das Schreiben ungefähr aussah und was inhaltlich darauf geschrieben stehen musste. Herdan kann zwar nicht lesen, aber ich betraue ihn recht häufig mit Verkäufen und daher kannte er den Inhalt von den anderen Schreiben. Die Schrift spielte auch keine Rolle, da ich solche Schreiben nicht selbst aufsetze, wofür hat man schließlich seine Leute. Einzig das Siegel zählte. Nun, so einen gezinnten Turm mit einem Bergfels darunter bekommt scheint’s auch ein stark angetrunkener Fälscher noch recht einfach hin, jedenfalls soll es ziemlich echt ausgesehen haben, meinte Herdan.
Auch der Marktvogt hielt es für echt, und gab dem Verkauf wieder statt. Ich hätte diese Fälschung zugegebenermaßen auch gern mal gesehen, aber die hat der liebe Herdan auf dem Rückweg dann dem Feuer anvertraut, denn eigentlich sollte ich nichts davon erfahren. Herausgekommen ist die Sache aber dann doch. Amtsrat Chezlemrabdullah merkte nämlich, dass bei der Abrechnung etwas fehlte. Soviel Tierfutter, wie Herdan ihm angegeben hatte, konnten die Ochsen kaum gefressen haben und die Zölle lagen ebenfalls deutlich über dem, was für die anderen Trosse sonst immer angefallen war. Als ich Herdan dann zur Rede stellte, rückte er Stück für Stück mit der Wahrheit heraus. Ich musste ihm fast jedes Wort aus der Nase ziehen. Irgendwie tat er mir ja leid. Wie ein zusammengesunkenes Häuflein Elend stand er da, aber was er gemacht hatte, konnte ich ihm so natürlich nicht durchgehen lassen. Einerseits hatte er nur ein verlorenes Dokument wiederherstellen lassen, andererseits erfüllte es durchaus den Tatbestand einer Fälschung. Ich habe ihm also eine gehörige Standpauke gehalten und als ich ihn dann zu mehreren Wochen Schieferbruch verdonnern wollte, platzte er damit hervor, dass er durch diese Sache jedoch erfahren hätte, dass Baron Fenn den Herold hatte umbringen lassen."