Trallop, Herzogtum Weiden, Rahja 1040 BF
Gerüchten zufolge sorgt eine wahre Flut von Briefen, die unseren Prinzen Arlan von Löwenhaupt betreffen, letzthin für viel Unmut auf der Bärenburg. Es heißt, vor allem Frau Walpurga reagiere zunehmend gereizt und ungnädig auf den nicht enden wollenden Strom der Anfragen zum Status ihres geliebten Sohns. Offenbar erkundigen sich Boten aus allen Teilen des Reichs und auch von anderswo in einem fort, ob der künftige Herzog der Bärenlande schon versprochen sei. Das dürfte kaum verwundern, ist Herr Arlan doch einer der begehrtesten Junggesellen weit und breit – nicht nur wegen seiner noblen Abstammung, sondern auch wegen des stets aufrechten und tadellos ritterlichen Betragens, seines vorbildlich bescheidenen und gelassenen Gemüts sowie dem unbestreitbar bemerkenswert guten Aussehen.
Einen solchen Mann im Alter von 24 Wintern weder vermählt noch versprochen zu wissen, hat bei den Edlen des Reiches wohl zunächst für Irritation gesorgt, dann aber ein geradezu fieberhaftes Treiben ausgelöst. Einen wesentlichen Beitrag zum sich täglich verschärfenden Wettstreit der Bewerber haben vermutlich die öffentlichen Bekenntnisse der werdenden Freiherrin Sulvina Rotbaum von Teshkalien aus Andergast und Königin Danas von Westak-Tiefhusen aus dem Svelltschen Städtebund geleistet. Beide verhehlen nicht, dass sie großes Interesse an einem Bund mit Prinz Arlan haben. Allein: Frau Walpurga scheint über das offensive Vorgehen der Damen nicht sonderlich glücklich zu sein. In erster Linie, weil sie den Stein damit überhaupt erst ins Rollen gebracht haben. Außerdem soll keine dieser beiden Bewerberinnen die Zustimmung unserer Herzogin finden.
Bei einer lautstarken Diskussion mit ihrem Gemahl Bernhelm von Ehrenstein hat Frau Walpurga die Andergassin angeblich zuletzt eine „größenwahnsinnige Vettel“ geheißen, die Arlans Mutter sein könnte. Die Tiefhusenerin kam nicht besser weg: Die „Krämerseele“ buhle nur um ihren Sohn, weil sie Weidener Ritter „in der Hinterhand“ haben wolle, wenn der Ork das nächste Mal angreife. Tasächlich ist Frau von Teshkalien 14 und Frau von Tiefhusen 10 Götterläufe älter als unser Prinz. Bei beiden ist mithin fraglich, ob es überhaupt Aussicht auf einen Stammhalter gäbe. Außerdem brächte keine von ihnen einen guten Namen in die Ehe ein, die Andergassin noch dazu wenig Vermögen und die Tiefhusenerin einen Trümmerhaufen, den zu befrieden auf Jahre hin viele Kräfte binden würde. Sicher ist es da gar nicht schlecht, dass sich jeden Tag neue Interessenten melden.